
Ein Knoten im Garn ist beim Häkeln ein Wimpernschlag – kurz anschauen, weiterarbeiten, fertig. Genau derselbe Knoten an der Strickmaschine kann dir eine halbe Reihe zerreißen, bevor du überhaupt reagieren kannst. Für viele, die gerade mit dem Maschinenstricken als Anfängerin starten, ist das der erste richtige Schreck – und Garnprobleme wie Fabrikknoten stehen seitdem regelmäßig in meinem Strick-Tagebuch, seit ich mit meiner alten Brother KH arbeite. Kurzer Hinweis vorab: Dieser Text enthält Affiliate-Links, unter anderem zum Kurs Die gläserne Strickmaschine. Kaufst du darüber, bekomme ich eine kleine Provision, am Preis ändert sich für dich nichts. Empfohlen wird hier nur, was ich für meine eigene Flohmarkt-Maschine tatsächlich benutzt habe.
Warum Garnprobleme wie Fabrikknoten an der Strickmaschine mehr Stress machen als beim Häkeln
Der Grund liegt im Abstand zwischen den Nadeln. Meine Brother hat einen Nadelabstand von 4,5 Millimetern, und das ist ziemlich knapp bemessen. Ein Weberknoten aus der industriellen Fertigung ist für Webstühle gemacht, nicht für Strickmaschinen – er ist oft zu dick, um sauber zwischen Nadel und Abstreifer durchzurutschen. Bleibt er stecken, blockiert er den ganzen Schlitten mitten in der Reihe.
Bei mir sitzen die Schultern in solchen Momenten sofort oben bei den Ohren. Wird der Schlitten mit Gewalt durchgedrückt, zieht sich das Garn nur fester um die Nadeln – und dann bewegt sich gar nichts mehr, weder vor noch zurück.
Woran merkst du überhaupt, dass ein Knoten im Spiel ist?
Meistens kündigt sich das vorher an: ein kurzer Widerstand im Schlitten, ein Ton, der nicht zum normalen Rattern passt. Der kleine runde Wandspiegel, den ich schräg über meinem alten Eichenschreibtisch hängen habe, hilft mir dabei – von oben sehe ich die Nadelreihe fast wie eine Landkarte, und ein Knubbel im Garn fällt mir dort meist zuerst auf.
Neulich hat sich mitten in einer Reihe eine Nadel regelrecht festgeklemmt, ohne dass ich sofort an einen Knoten gedacht habe. Nach ein paar Minuten mit der Nase fast auf dem Nadelbett war die Ursache klar – ganz ohne dass ich irgendwo nachfragen musste. Morgens, beim allerersten Durchziehen, ist der Kunststoff des Schlittens meist noch kühl vom Zimmer, und genau in diesem noch etwas trägen ersten Durchgang übersehe ich Knoten am ehesten, weil ich selbst noch nicht richtig wach bin.
Zwei Schraubzwingen halten die Maschine auf diesem Tisch fest, den ich eigentlich nur für solche Zwecke umfunktioniert habe, und an den Wollproben, die mit Wäscheklammern am Fensterrahmen zum Hinterhof hängen, sehe ich inzwischen ziemlich schnell, welches Garn mir in der Vergangenheit Ärger gemacht hat.
Was nicht funktioniert hat: die Anleitung ignorieren und einfach loslegen
Ich stricke jetzt seit etwa einem Jahr an der Maschine, und mein größter Anfängerfehler hatte gar nichts mit einem Knoten zu tun. Die Bedienungsanleitung meiner Flohmarkt-Brother habe ich komplett übersprungen und einfach drauflosgestrickt, weil ich dachte, meine Häkelerfahrung reicht locker aus.
Diese Abkürzung hat sich gerächt, sobald der erste Knoten auftauchte, weil ich nicht mal wusste, wie man den Schlitten überhaupt anhält, ohne die halbe Reihe zu ruinieren. Heute schlage ich die Anleitung zwar immer noch selten auf, aber wenigstens weiß ich, wonach ich googeln muss, wenn's klemmt.
Die Cut-and-Join-Technik, Schritt für Schritt
Sobald ich Widerstand spüre oder das Klicken sich verändert, halte ich sofort an, noch bevor der Knoten die Nadeln erreicht. Den Knoten schneide ich dann radikal heraus, ohne zu zögern, und behandle die Stelle wie einen ganz normalen Farbwechsel. Das neue Garnende lege ich einfach über die Nadeln, genau dort, wo der Schlitten gerade steht, und stricke weiter.
Wer solche Unterbrechungen grundsätzlich seltener haben will, kann schon vorher ansetzen: Wie du Garn generell besser vorbereitest, bevor es überhaupt auf die Maschine kommt, steht in meinem Beitrag Wie man Wolle für die Strickmaschine richtig wickelt und vorbereitet. Das hätte mir im ersten Jahr einiges an Frust erspart.
Den Trick, bewusst zu stoppen statt die Reihe unbedingt zu Ende fahren zu wollen, habe ich im Kurs Die gläserne Strickmaschine gelernt. Vorher dachte ich immer, eine Unterbrechung mitten in der Reihe würde man später sehen – stimmt aber nicht, wenn man es als geplanten Schnitt macht statt als Notbremse.

Wirkt sich das auf Fadenspannung, Maschenprobe und Maschenweite aus?
Direkt danach kontrolliere ich kurz die Fadenspannung, weil sich beim Herausschneiden manchmal ein Stück Garn lockert und dann durchhängt. Für die Maschenprobe heißt das: Nach einem größeren Knotenproblem stricke ich lieber ein paar Reihen probeweise weiter, bevor ich mich auf die Maße verlasse. Auch die Maschenweite am Regler prüfe ich noch mal, wenn ich unterwegs mehrfach unterbrechen musste, weil sich die Einstellung durch das Hantieren am Schlitten leicht verschieben kann.
Muss ich neu einfädeln, und spielt die Garnwahl eine Rolle?
Neu einfädeln muss ich nach einem Knotenschnitt eigentlich nie komplett – das neue Ende über die Nadeln legen reicht meistens, richtig eingefädelt wird nur, wenn der Faden komplett aus der Führung gerutscht ist. Wer noch tiefer in Techniken zum Garn verbinden einsteigen will, findet hier mehr: Wolle richtig verbinden an der Brother Strickmaschine.
Wie stark Garnprobleme wie Fabrikknoten überhaupt auftreten, hängt aber ziemlich stark von der Garnwahl ab. Seraphine Kloss, eine Bekannte aus meinem Häkeltreff, kennt praktisch jeden Wollladen in Augsburg und sagt, dass billige Industriewickel öfter mit dicken Verbindungsknoten ankommen als sauber aufgemachtes Maschinengarn.
Kann daraus Maschenfall werden, und was ist mit Abketten oder Umhängen?
Maschenfall droht vor allem dann, wenn der Schlitten trotz Widerstand weitergedrückt wird und eine Nadel dabei aus der Reihe springt – bleibt man stehen, sobald es hakt, passiert das eigentlich kaum. Landet ein Knoten ausgerechnet kurz vor dem Abketten, warte ich lieber die paar Reihen ab und kette erst danach ab, statt mittendrin zu improvisieren. Muss ich Maschen umhängen, zum Beispiel mit dem Deckerkamm, mache ich das grundsätzlich erst, wenn die Knotenstelle sauber verarbeitet und der Schlitten wieder frei ist.
Was ist mit Nadelpositionen, Schlitteneinstellungen und der Sperrschiene?
Die Nadelpositionen selbst ändere ich wegen eines Knotens nie – A, B, D oder E bleiben, wie sie für das Muster gebraucht werden, das hat mit dem Knotenproblem nichts zu tun. Bei den Schlitteneinstellungen schaue ich höchstens noch mal auf die Grundeinstellung, falls ich beim Anhalten aus Versehen etwas verstellt habe. Die Sperrschiene lasse ich komplett in Ruhe, die hat mit einem Garnknoten nichts zu tun, außer dass ich beim hektischen Hantieren am Schlitten aufpasse, nicht versehentlich dagegenzustoßen.
Wickelanschlag, verkürzte Reihen, Farbwechsel und Doppelbett im Schnelldurchlauf
Am Wickelanschlag selbst merke ich einen Fabrikknoten so gut wie nie, weil der meistens mitten im Knäuel sitzt und nicht am Anfang. Bei verkürzten Reihen, etwa für eine Sockenferse, bin ich vorsichtiger, weil dort ohnehin schon einiges gleichzeitig passiert – ein Knoten mittendrin würde ich dort niemals einfach übergehen. Farbwechsel und Knotenstelle sehen sich technisch sehr ähnlich, weshalb ich die Cut-and-Join-Technik ja auch genau so behandle. Am Doppelbett meiner Maschine habe ich bisher kaum gearbeitet, kann also ehrlich gesagt nicht sagen, ob sich dort etwas anders verhält.
Maschinenpflege danach – und wie am Ende Maschenbildung, Spannen und Dämpfen zusammenspielen
Nach so einer Aktion mit dem Schlitten gehört ein kurzer Check zur Maschinenpflege für mich dazu – ich schaue nach Wollstaub oder kleinen Garnresten dort, wo der Knoten gesessen hat, damit sich nichts festsetzt. Wie die Maschine beim Stricken selbst die Maschenbildung erzeugt, versteht man nach so einem Knotenproblem oft besser, weil man plötzlich sieht, wie eng Nadel, Faden und Abstreifer zusammenspielen müssen – im Kurs wird genau das noch mal richtig erklärt. Am fertigen Stück merkt man später ohnehin fast nichts mehr von der Unterbrechung, spätestens nach dem Spannen und Dämpfen ist die Stelle unauffällig.
Mein Fazit für dich
Lass dich von einem Fabrikknoten nicht gleich entmutigen, so ein Ding sieht dramatischer aus, als es ist, sobald du einmal weißt, worauf du achten musst. Genau solche Anfängerinnenfragen, die Profis sich längst nicht mehr stellen, bringen einen am Ende am meisten weiter. Wenn du verstehen willst, wie Nadeln, Schlitten und Garn wirklich zusammenspielen, lohnt sich ein Blick in den Kurs Die gläserne Strickmaschine – mir hat er geholfen, die Logik hinter der Mechanik zu begreifen, statt nur stur Anleitungen abzuarbeiten.
Ein Fabrikknoten kostet mich inzwischen ein paar Minuten und etwas Geduld, mehr nicht – und genau das würde ich jeder Anfängerin gern vorab sagen, bevor der erste Knoten sie in Panik versetzt.