
Sieben Wochen. So lange hat es gedauert, bis ich meine alte Brother KH inzwischen komplett ohne mein Notizbuch einfädle – das hat sich einfach so ergeben, ohne dass ich groß drüber nachgedacht habe. Genau in dieser Woche ist mir aufgefallen, dass auch meine Übergänge beim Wolle verbinden nicht mehr aussehen wie kleine Verkehrsunfälle mitten im Strickstück. Für alle, die beim Maschinenstricken noch ganz am Anfang stehen: Das hier ist der Anfängerfehler, den ich in den ersten Wochen ungefähr ein Dutzend Mal gemacht habe, und ein paar Strickmaschine-Tipps, die mir am Ende wirklich geholfen haben.
Meine Kollegin Gabi bringt mir ab und zu Wollreste aus einem Outletladen mit – bunt gemischt, nie genug von einer Farbe für ein ganzes Teil. Genau deshalb musste ich überhaupt lernen, wie man zwei Fäden sauber verbindet, ohne dass später eine Beule im Stoff sitzt. Aus der Stadtbücherei Augsburg hatte ich mir extra ein altes Buch über Handarbeitstechniken ausgeliehen, nur um nachzulesen, wie diese sogenannte Russian-Join-Methode überhaupt funktioniert, bevor ich sie an der Maschine ausprobiert habe.
Warum dicke Knoten den Schlitten meiner Brother lahmlegen
Der Schlitten meiner Maschine reagiert auf dicke Stellen im Garn wie eine Diva auf einen falschen Ton. Zwischen den zweihundert Nadeln ist bei einem Standardstricker mit gut viereinhalb Millimetern Abstand einfach kein Platz für einen fetten Knoten. Sobald so ein Klumpen durchmuss, kommt dieses metallische Klong, und im schlimmsten Fall wirft es dir gleich mehrere Maschen von der Nadel.

Was mich am meisten geärgert hat: Ein Knoten kann die Nadelzungen der Strickmaschine beschädigen, wenn er nicht sauber durch den Haken rutscht. Dann fällt dir die Masche einfach runter, ohne Vorwarnung, mitten im schönsten Reihenrhythmus.
Genau das ist mir vor Kurzem passiert, als ich eine leicht verbogene Nadel entdeckt habe. Statt eine neue zu besorgen, habe ich sie kurzerhand mit der Flachzange selbst wieder gerade gebogen – ging superschnell, dachte ich. Zwei Reihen später ist mir aufgefallen, dass die Nadel trotzdem minimal schief steht und die Masche an genau dieser Stelle jedes Mal einen kleinen Zug abbekommt. Der Trick mit der Zange hat also nicht wirklich funktioniert, er hat das Problem nur verschoben.
Wieso hilft der Blick durch die gläserne Strickmaschine beim Verstehen?
Richtig verstanden habe ich das erst, als ich mir angeschaut habe, warum ich die gläserne Strickmaschine zum Verstehen der Nadelmechanik nutze. Man sieht dabei live, wie der Faden in die Haken gelegt wird, und merkt sofort: Jeder Millimeter zusätzliche Dicke an der Verbindungsstelle sorgt für Chaos im ganzen Reihenverlauf.

Ich stricke meistens mit normaler 4-fach Sockenwolle, weil sie fürs Erste am gutmütigsten ist – bei einer dickeren Garnstärke wird das Verbinden nochmal spürbar heikler, das merkt man an der Nadel sofort. Wenn die Fadenspannung dabei nicht stimmt, sieht man das an der Verbindungsstelle als Erstes, aber das ist nochmal ein ganz eigenes Thema für sich.
Mein Favorit: der Russian Join – und ein Geheimtipp, den mir kein Profi verraten hat
Beim Russian Join fädelst du ein Fadenende in eine stumpfe Nadel und stichst es durch den eigenen Faden zurück, dann machst du dasselbe mit dem zweiten Ende, sodass beide ineinander verschlungen sind. Am Ende ist die Verbindung kaum dicker als der Faden selbst – ein bisschen fummelig, ungefähr so nervig wie eine Nadel bei schlechtem Licht einzufädeln, aber zuverlässig.
Mein eigentlicher Trick, den ich in keiner Anleitung gefunden habe: Manchmal sieht ein einfacher, flacher Knoten direkt an der Nadel sauberer aus als die Methode, bei der man den Faden über mehrere Nadeln doppelt führt. Liegt der Faden doppelt, wird genau diese eine Masche unangenehm groß und fällt später im fertigen Teil auf.
Wo genau du den Knoten setzt, hängt auch ein bisschen von der Nadelposition ab, aber das würde hier zu weit führen. Am Rand, wenn ich ein neues Knäuel anhänge, lasse ich die Enden erstmal einfach hängen und webe sie später von Hand ein. Das ist der sicherste Weg, damit dir der Garn nicht beim Maschinenstricken reißt, sobald die Spannung mal wieder höher ist, als sie sollte. Die Enden lässt du am besten mindestens fünfzehn Zentimeter lang, dann kannst du sie später sauber in der Naht verstecken.

Wolle verbinden: was ich seit Woche 7 anders mache
Seit Woche 7 fädle ich nicht mehr jedes Mal nach Anleitung – die Handgriffe sitzen inzwischen, ohne dass ich groß darüber nachdenke. Meine Brother steht bei mir übrigens nicht fest verschraubt, sondern nur mit zwei Schraubzwingen an meinem alten Schreibtisch festgeklemmt, deshalb spüre ich sofort im ganzen Tisch mit, wenn der Schlitten irgendwo hängen bleibt.
Über dem Nadelbett hab ich mir schräg einen kleinen Spiegel hingehängt, extra dafür: So sehe ich von oben, ob der Faden wirklich sauber in jeder Nadel liegt, bevor ich den Schlitten überhaupt anfasse. Verlierst du dabei trotzdem mal eine Masche, ist das meistens eher eine Frage der Schlitteneinstellungen oder der Fadenführung als der Verbindung selbst – aber das ist wieder eine andere Geschichte für sich.
Ab und zu wische ich außerdem die Schienen sauber, weil sich mit der Zeit ziemlich viel Wollstaub an den Verbindungsstellen ansammelt. Eine Leserin hier im Blog, Adele, hat neulich in den Kommentaren geschrieben, dass sie an ihrer alten Pfaff genau dasselbe Problem hatte, obwohl die Maschine technisch ganz anders aufgebaut ist – offenbar ist ein Knoten einfach an jeder Strickmaschine ein Knoten, egal welches Schild vorne draufsteht.
Was am Ende hängen geblieben ist: Saubere Übergänge sind weniger eine Frage von teurem Werkzeug als von Geduld genau an der Stelle, an der man am liebsten schnell weiterstricken würde. Bis heute habe ich bestimmt zwanzig Euro an Wolle für misslungene Verbindungsversuche verballert, aber inzwischen hat mein Vorderteil keine Löcher mehr. Für mich ist das an meiner alten Flohmarkt-Brother schon ein kleiner Sieg.