
Ein Quietschen bei einer Strickmaschine hat fast nie nur eine Ursache, meistens sind es zwei oder drei kleine Dinge, die sich beim Maschinenstricken gegenseitig aufschaukeln. Schon bei einer alten Brother KH reicht oft ein einziges müdes Bauteil, damit aus dem normalen Rattern beim Stricken ein nervtötendes Kreischen wird, vor dem man als Anfängerin erst mal zusammenzuckt.
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Ein Quietschen ist kein Zufall, sondern ein Signal
Der Klang sagt oft schon viel, bevor man überhaupt einen Schraubenzieher in die Hand nimmt. Ein hohes, metallisches Kreischen kommt fast immer vom Schlitten selbst, von Metall, das auf trockenem Metall reibt. Ein dumpfes, unregelmäßiges Klappern deutet dagegen eher auf eine einzelne Nadel hin, die nicht richtig sitzt. Und ein Geräusch, das nur bei bestimmten Mustern auftaucht, hat meistens mit der Fadenspannung zu tun, das ist aber ein eigenes, größeres Thema, das hier nicht hineinpasst.
Eine Freundin von mir, die lieber mit Nadel und Kreuzstich stickt als mit einer Maschine zu stricken, meinte neulich, sie könne sich kaum vorstellen, dass ein Hobby plötzlich nach Werkstatt klingt. Bei einer Strickmaschine ist genau das aber normal: Es ist ein mechanisches Gerät mit weit über hundert beweglichen Teilen, und praktisch jedes davon kann irgendwann sein eigenes kleines Geräusch entwickeln.
Wo genau sitzt das Geräusch?
Bevor ich systematisch vorgegangen bin, hatte ich in einer Facebook-Gruppe nachgefragt, was das Quietschen sein könnte. Drei Leute, drei völlig unterschiedliche Antworten, Öl, Nadel, Schlitten, alles gleichzeitig, ohne dass irgendjemand erklärt hat, woran man die Ursache überhaupt festmacht. Am Ende hat mir das mehr Verwirrung als Hilfe gebracht, weil ich an drei Stellen gleichzeitig herumgeschraubt habe, statt vorher einfach genau hinzuhören.
Der erste Schritt ist simpel, aber die meisten überspringen ihn: ein paar Reihen ohne Wolle stricken und nur auf den Schlitten achten. Läuft er über das ganze Nadelbett gleich laut, liegt das Problem meist an der Schiene oder am Schlitten selbst. Taucht das Quietschen dagegen immer an derselben Stelle auf, lohnt sich ein gezielter Blick auf genau diese eine Nadel, vielleicht klemmt die Zunge, vielleicht sitzt sie nicht mehr richtig im Bett.
Bei mir saß genau so eine einzelne Nadel fest, als ich zum ersten Mal wirklich gezielt durchgehört habe, statt wild alles gleichzeitig zu prüfen. Herausgenommen, kurz geprüft, wieder eingesetzt, fertig, noch bevor der Tee in der Küche überhaupt durchgezogen war. Beim genauen Hinschauen sind mir dabei die Fingerabdrücke auf der Plastikabdeckung der Fadenführung aufgefallen, die im Lampenlicht plötzlich ganz deutlich wurden, offenbar hatte ich die Maschine öfter berührt, als mir bewusst war.
Die üblichen Verdächtigen bei einer quietschenden Strickmaschine
Drei Dinge verursachen in den allermeisten Fällen das Quietschen: Wollstaub in der Schiene, falsches oder fehlendes Öl, oder ein Schaumstoffstreifen in der Nadelsperrschiene, der nach Jahren zusammengedrückt und klebrig geworden ist.

Wollstaub und die richtige Ölpflege sind für mich ein eigenes, größeres Thema, dem ich einen ganzen Beitrag widme, weil es dort wirklich ins Detail geht, hier reicht der Hinweis, dass sich Flusen in der Schiene mit altem Öl zu einer zähen Masse verbinden können, die den Schlitten bremst.

Auch wie die Nadelsperrschiene genau arbeitet, erkläre ich ausführlicher in einem anderen Beitrag, an dieser Stelle zählt nur, dass ein plattgedrückter Schaumstoffstreifen oft der unterschätzte Übeltäter ist. Falsches Einfädeln kann ebenfalls für ungewohnte Geräusche sorgen, aber auch das ist ein Thema, das an anderer Stelle gründlicher behandelt gehört als hier.
So gehst du systematisch vor, bevor du Hilfe suchst
Manchmal liegt es nicht am Verschleiß, sondern an der Umgebung: Temperaturwechsel und trockene Heizungsluft verändern, wie sich Metall und Öl verhalten, und machen eine Maschine im Winter oft nervöser als im Sommer. Wenn ihr wissen wollt, wie ihr eure Maschine durch die kalte Jahreszeit bringt, schaut mal hier: Strickmaschine im Winter: Was man bei Kälte und Heizungsluft beachten muss.
Bertl Wanninger, ein Rentner aus einem Strickmaschinen-Onlineforum, in dem ich mitlese, hat mir mal geschrieben, dass er bei seiner alten Maschine allein am Klang sagen kann, welches Teil gerade meckert, er nennt dabei Ersatzteilnummern aus dem Gedächtnis, als würde er sie jede Woche bestellen. So sicher bin ich selbst nicht, aber sein Rat war trotzdem einfach: erst hören, dann anfassen, erst danach schrauben.
Wenn du das Nadelbett ohnehin freilegst, um eine Nadel oder die Sperrschiene zu prüfen, ist das auch ein guter Moment, um dir wichtige Stellen gleich zu markieren. Wie das geht, erfahrt ihr hier: Nadelbett markieren und Maschen zählen an der Strickmaschine leicht gemacht. Und falls deine Maschine, wie meine vom Flohmarkt, vorher länger ungenutzt herumstand, kommen Geräusche besonders häufig vor; Tipps für genau diesen Wiedereinstieg findet ihr hier: Wieder mit dem Maschinenstricken anfangen nach einer längeren Pause.
Wer die Mechanik einmal richtig von Grund auf verstehen will, statt bei jedem Geräusch neu zu raten, findet das zum Beispiel in Die gläserne Strickmaschine, dort wird erklärt, wie Nadeln, Schlitten und Schienen zusammenspielen, ohne dass man gleich einen Servicetermin braucht, der in Augsburg ohnehin nicht leicht zu finden ist.
Mein Wartungs-Fahrplan für eine ruhige Brother
Inzwischen habe ich daraus eine kleine Routine gemacht, die ich nach jedem größeren Projekt kurz durchgehe. Zuerst wird der Schlitten von unten abgepinselt, am besten mit einem weichen, alten Pinsel, bevor sich überhaupt Flusen festsetzen können. Danach kommt der Öl-Check: ein Tropfen feines Nähmaschinenöl auf die Schienen, aber wirklich nur, wenn der Schlitten nicht mehr butterweich gleitet, denn zu viel Öl zieht neuen Staub erst recht an. Anschließend schaue ich mir die Nadeln entlang des ganzen Bettes an und achte darauf, ob eine klemmt oder sich anders bewegt als die Nachbarn. Zum Schluss kommt noch mal der Horch-Test ohne Wolle, einfach um zu prüfen, ob sich seit der letzten Kontrolle etwas verändert hat.
Diese kleine Routine kostet selten mehr als ein paar Minuten, aber sie hat mir die Angst genommen, dass ich die Maschine bei jedem neuen Ton sofort kaputt mache. Ein Quietschen bedeutet fast nie das Ende der Maschine, sondern meistens nur, dass ein einzelnes Teil gerade Aufmerksamkeit braucht, und genau diese Teile lassen sich mit etwas Geduld eingrenzen, ohne dass man vom Fach sein muss.
Falls dir dieses unsichere Gefühl trotzdem bleibt, sobald die Maschine mal wieder komische Töne von sich gibt, kann ich dir Die gläserne Strickmaschine wirklich ans Herz legen, nicht weil es ohne nicht geht, sondern weil es die Unsicherheit nimmt, selbst Hand anzulegen. Eine Strickmaschine, die quietscht, ist kein Grund zur Panik, sondern meistens nur ein kleiner Hilferuf nach ein bisschen Aufmerksamkeit.