Warum fallen Maschen am Rand der Strickmaschine immer wieder runter?

Randmaschen an der Brother-Strickmaschine, die beim Maschinenstricken lernen häufig herunterfallen

Der Schlitten schnellt durch die letzte Reihe, ich ziehe ihn mit Schwung bis zum Anschlag – und da baumelt sie schon wieder, die äußerste Masche, lose wie ein Knopf, der sich vom Faden gelöst hat. Randmaschen, die einfach abhauen, sind für mich als Anfängerin an der Brother-Strickmaschine das nervigste Kapitel beim Maschinenstricken lernen.

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Die Randmaschen, die einfach loslassen

Meine Brother hat 200 Nadeln im Bett, Abstand 4,5 Millimeter – eigentlich reichlich Platz für jede Fehlerbehebung, die ich bisher gebraucht habe. Trotzdem sind es fast immer die äußersten zwei, drei Nadeln, die den Faden loslassen, mitten in einer Reihe glatt rechts.

Am Anfang dachte ich, das sei einfach 'Maschenfall' wie bei jedem x-beliebigen Fehler mitten im Bett – ist es aber nicht ganz, denn mitten im Bett hat das meistens andere Ursachen. Nach schätzungsweise einem Dutzend abgebrochener Proben allein in dieser einen Woche wusste ich: Es lag nicht an der Maschine allein.

Heidi aus dem Erdgeschoss hat mich neulich auf der Treppe erwischt und gefragt, warum am Rand so ein loses Fädchen runterhängt – eine gute Frage, die ich als Strickmaschinen-Anfängerin selbst erst seit Kurzem beantworten kann.

Nahaufnahme einer heruntergefallenen Randmasche am Rand der Brother-Strickmaschine

Warum ich früher einfach zu schnell gezogen habe

Drei Wochen lang habe ich den Schlitten einfach schnell durchgezogen, so wie man eine Schublade zuschiebt – rein aus dem Gefühl heraus, dass Tempo gleich Kontrolle bedeutet, und dabei immer wieder gedacht, dass sich die 60 Euro vom Flohmarkt so nie auszahlen.

Das war der Denkfehler. Je schneller ich zog, desto mehr Schwung nahm der Schlitten genau an der Stelle mit, an der die äußerste Nadel am wenigsten Halt hat, und der Faden rutschte ihr einfach aus dem Haken.

Der Wechsel war simpel, aber ungewohnt: Schlitten langsam und gleichmäßig durchziehen, fast im gleichen Tempo wie beim Anschlagen der ersten Reihe. Kein Ruck, kein Schwung, einfach eine ruhige, durchgezogene Bewegung von links nach rechts.

Gewichte hängen, bis es nervt

Neben dem Tempo sind es die Gewichte, die den Unterschied machen. Die kleinen Krallengewichte hänge ich inzwischen alle zehn bis fünfzehn Reihen nach, direkt unter die Randmaschen.

Vergisst man das ein paar Reihen zu lang, zieht die Schwerkraft nicht mehr gerade nach unten, sondern schräg, weil sich das Gestrick am Abstreifer wölbt – und dann fällt genau die Masche, die ohnehin am wenigsten Halt hat. Mehr zur Funktion findest du in meinem Artikel darüber, warum der Abstreifer an der Strickmaschine wichtig ist.

Krallengewichte hängen am Rand des Strickstücks, um Randmaschen an der Strickmaschine zu sichern

Was mir über YouTube hinaus geholfen hat

Irgendwann Anfang der vierten Woche hatte ich die Nase voll vom Raten. Ich habe mir den Kurs Die gläserne Strickmaschine gegönnt, obwohl mich die laufenden Kosten als Halbtagskraft erst abgeschreckt haben.

Im Kurs habe ich zum ersten Mal richtig verstanden, dass Tempo beim Schlitten nichts mit Fortschritt zu tun hat, sondern nur mit Kontrolle. Die Fadenspannung selbst stelle ich weiterhin nach Gefühl ein, das ist nochmal ein eigenes Fass, das ich hier nicht aufmache. Nicht jedes Video passt zu meiner alten Brother, aber die Grundlagen waren Gold wert – vor allem für Themen wie Fangpatent an der Strickmaschine zu verstehen, an das ich mich sonst nie rangetraut hätte.

Kleine Stellschrauben, die wirklich zählen

Die Maschenweite an meiner Brother geht von 0 bis 10, und lange dachte ich, 5 passt immer. Falsch: Ist die Einstellung zu eng fürs Garn, hat die äußerste Nadel keine Chance, den Faden sauber zu fassen.

Genauso wichtig: kurz nach der letzten Nadel anhalten, statt den Schlitten unnötig weit über das Nadelbett hinauszuziehen.

Beim Einfädeln durch die Spannungsscheibe spüre ich inzwischen genau, wie viel Zug zwischen Daumen und Zeigefinger richtig ist – Einfädeln an sich ist aber ein eigenes Kapitel, das eine ganze Anleitung für sich verdient. Genauso wenig gehe ich hier auf die Garnwahl oder den perfekten Wickelanschlag ein, das sprengt den Rahmen. Wer beim Wickeln der Kone unsicher ist, findet mehr in meinem Artikel darüber, wie man Wolle richtig wickelt.

Zu guter Letzt: Nadelpositionen wie A, B, D oder E spielen bei diesem Problem kaum eine Rolle, das ist nochmal ein eigenes Thema. Abketten am Ende der Reihe hat mit dem losen Rand mittendrin auch nichts zu tun, genauso wenig wie die genaue Maschenprobe oder die Maschenbildung an sich, die eher etwas für separate Tests sind. Vreni aus dem zweiten Stock hat mir letzte Woche kommentarlos ihren Schraubenzieher hochgebracht, weil ich meinen mal wieder nicht gefunden habe – manchmal liegt die Lösung eben doch nicht am Schlitten, sondern in der eigenen Unordnung.

Handgeschriebenes Lerntagebuch einer Strickmaschinen-Anfängerin neben Wolle und Zubehör

Woche 4: der Schlitten gleitet durch, ohne dass eine Masche fällt

Vorgestern Abend – nach geschätzt fünf Stunden an der Maschine allein in dieser Woche – ist es dann passiert: ein kompletter Probelappen, fünfzig Reihen glatt rechts, und der Schlitten gleitet am Ende jeder Reihe einfach durch. Alle Maschen bleiben brav auf ihren Nadeln sitzen, keine einzige hängt lose in der Luft.

Die Lehre daraus ist simpel, auch wenn sie mir keiner in den ersten drei Wochen gesagt hat: Tempo ist nicht dasselbe wie Kontrolle. Langsame, gleichmäßige Bewegung schlägt jedes hastige Durchziehen, ob am Schlitten oder wahrscheinlich auch sonst im Leben.

Heidi hat neulich kurz reingeschaut, als der Lappen fertig auf dem Tisch lag, und nur anerkennend genickt – für eine Nachbarin, die selbst mit dem Gedanken spielt, sich eine gebrauchte Maschine zuzulegen, war das für mich schon Bestätigung genug. Falls du auch gerade an deiner Maschine verzweifelst: Wir alle produzieren erst Knoten, bevor wir Pullover schaffen. Und falls dich das Raten genauso nervt wie mich früher – die gläserne Strickmaschine war für mich der Punkt, an dem sich das Rätsel endlich in Logik verwandelt hat.