
Du hängst vielleicht ein ganz normales Wollknäuel in den Fadenspanner und wunderst dich zwei Reihen später, warum der Schlitten stockt. Mir haben in letzter Zeit mehrere Leserinnen genau diese Frage geschrieben, alle blutige Anfängerinnen an der Strickmaschine wie ich selbst. Fast jedes Mal landet die Antwort bei der Wollvorbereitung: wie man richtig wickelt, ob Paraffinieren wirklich nötig ist und was eine stinknormale Brother-Maschine überhaupt verträgt.
Das normale Wollknäuel reicht nicht zuverlässig
Nein, jedenfalls nicht zuverlässig. Bei der Handarbeit ziehst du den Faden von Masche zu Masche locker nach und gleichst kleine Unregelmäßigkeiten dabei automatisch aus. Die Maschine kennt diese Gnade nicht: Sie braucht einen absolut gleichmäßigen Fadenlauf, sonst hakt es.
Bei meiner Brother sitzen rund 200 Nadeln im Abstand von 4,5 Millimetern nebeneinander auf dem Bett. Verhakt sich der Faden dort auch nur für einen Wimpernschlag, registriert die Maschine das sofort, und der Schlitten bleibt mittendrin stehen. In der ersten Zeit habe ich mehr Stunden mit dem Entwirren von Knoten verbracht als mit dem eigentlichen Stricken — irgendwann habe ich aufgehört mitzuzählen, wie oft ich Wolle von Hand wieder aufgerollt habe.

Der Wollwickler macht aus Chaos einen sauberen Cake
Ohne einen Wollwickler geht bei mir inzwischen gar nichts mehr. Meiner ist ein simples manuelles Modell mit Handkurbel, seinerzeit für 35 Euro besorgt. Ziel ist der sogenannte Cake — ein flaches, zylindrisches Knäuel, aus dessen Mitte der Faden abläuft, ohne dass sich das ganze Gebilde mitdreht.
Am Anfang habe ich viel zu schnell gekurbelt, dann wird der Wickel schief und ungleichmäßig. Mittlerweile führe ich den Faden mit der linken Hand und kurble mit der rechten, langsam und mit leichtem Gegenzug — nicht zu locker, aber auch nicht zu fest.
Zu fest ist übrigens das größere Problem, nicht zu locker. Einmal habe ich ein sehr feines Garn absichtlich stramm gewickelt, weil ich dachte, ordentlicher geht immer besser — das Ergebnis war ein Wickel, der fast steinhart in der Hand lag. Nach dem Stricken hat sich das fertige Stück beim Abketten sichtbar zusammengezogen, wie eingelaufen, obwohl es nie gewaschen wurde.
Paraffin und die Sache mit der Reibung
Ja, das mit dem Wachs klingt erstmal komisch, wenn man es zum ersten Mal hört. Ich dachte auch: Wachs an meine gute Wolle? Aber sobald ich es einmal probiert hatte, war der Unterschied sofort spürbar. Man hält beim Wickeln einen kleinen Paraffinblock so, dass der Faden im Vorbeilaufen leicht darüberstreift — ein Teelicht tut es notfalls auch, ein richtiger Wachsblock hält aber länger.
Der Effekt in der Maschine ist deutlich: Der Schlitten gleitet über die Nadeln, fast als wären sie eingefettet, wo ich vorher noch spürbar Kraft aufwenden musste. Das Paraffin senkt die Reibung im Nadelbett spürbar — und kostet dabei nur ein paar Euro, eine der günstigeren Anschaffungen seit dem Kauf der Maschine.

Wie fest sollte der Wickel sein?
Lockerer, als du vielleicht denkst. In vielen Foren liest man, der Wickel müsse möglichst stramm und makellos aussehen — genau das Gegenteil stimmt. Ein zu fest gewickeltes Garn verliert seine Elastizität, es wird quasi vorgedehnt, und sobald es verstrickt wird und sich wieder entspannt, verzieht sich das ganze Maschenbild.
Der Cake darf ruhig ein bisschen wabbelig aussehen, solange er von selbst steht. Wenn ich morgens als Erstes den Schlitten anfasse, ist der Kunststoff noch kühl von der Nacht — beim ersten Durchziehen merke ich sofort, ob die Wolle vom Vortag richtig locker genug liegt oder ob sich unten im Cake schon wieder etwas verhakt hat.

Fadenspannung nicht raten, sondern prüfen
Lange habe ich die Fadenspannung auf gut Glück eingestellt und gehofft, dass es schon passt — Zahl auf dem Regler ausgesucht, losgestrickt, und wenn die Maschen komisch aussahen, an einem anderen Rädchen gedreht, bis es halbwegs ging. Funktioniert hat das nie zuverlässig, weil ich nie wusste, welches Rädchen für welches Problem verantwortlich war.
Bertl Wanninger, ein Rentner aus einem Maschinenstricken-Forum, hat mir dazu vor Kurzem geschrieben. Er hat in den Achtzigern selbst viel gestrickt und seine alte Brother neulich wieder aus dem Keller geholt. Sein Tipp: erst am losen Wollrest testen, bevor man die Spannung am fertigen Wickel verstellt — ein Kniff, den ich in keiner Anleitung gefunden habe, weil solches Wissen bei Leuten wie ihm offenbar nur im Kopf steckt und nie irgendwo aufgeschrieben wurde.
Seitdem prüfe ich die Spannung erst am Reststück, bevor ich die Maschine überhaupt anwerfe. Neulich klemmte mitten in einer Reihe eine Nadel, und ich hatte den Fehler keine fünf Minuten später gefunden und behoben — früher hätte mich das locker einen ganzen Abend gekostet, samt schlechter Laune für den Rest des Tages.
Wenn die Wolle nicht richtig flutscht
Wenn die Wolle danach immer noch nicht sauber durchläuft, liegt es selten an der Maschine selbst. Oft ist es schlicht das falsche Garn für den Nadelabstand — welche Garnstärke zu welcher Maschine passt, ist noch mal ein eigenes Thema für sich. Manchmal steckt der Fehler auch beim Einfädeln, ein Schritt, den man als Anfängerin gern zu hastig abhakt.
Und falls dir ständig Maschen von den Randnadeln rutschen, ist das meistens gar kein Wickel-Problem mehr, sondern ein eigenes Kapitel für sich. Bevor ich ein größeres Stück anfange, schlage ich inzwischen sogar eine kleine Maschenprobe mit der frisch gewickelten Wolle an, nur um zu sehen, ob Cake und Faden wirklich zusammenpassen.
Wenn ich nach so einer Frickelsession die Nase voll habe, drehe ich eine Runde um den Rathausplatz, um den Kopf freizubekommen — meine Nachbarin nutzt die gleiche Zeit lieber zum Joggen, jeder eben auf seine Art. Zurück am Tisch geht es dann oft leichter weiter, zum Beispiel mit Maschen umhängen mit dem Deckerkamm, was sich spürbar leichter anfühlt, wenn die Wolle vorher richtig vorbereitet wurde. Mehr steckt eigentlich nicht dahinter: Wickler, Paraffin, ein lockerer Wickel — und die Spannung lieber am Reststück testen als am fertigen Teil.