Maschen umhängen mit dem Deckerkamm leicht gemacht für Anfänger

Deckerkamm mit zwanzig Zinken auf dem Nadelbett einer Brother Strickmaschine, Maschen umhängen für Anfängerinnen

Häkeln kann ich im Schlaf. Der Deckerkamm an meiner Brother-Strickmaschine ist eine andere Geschichte: zwanzig Zinken, zwanzig Gelegenheiten, alles zu ruinieren, und anfangs keine Ahnung, wo ich ansetzen soll. Genau an diesem Werkzeug hängen beim Maschinenstricken die meisten Anfängerinnen, mit denen ich rede – Maschen umhängen klingt nach einem kleinen Handgriff und fühlt sich an wie eine Prüfung.

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Was macht der Deckerkamm eigentlich, und wozu braucht eine Anfängerin ihn?

Der Deckerkamm nimmt Maschen von den Nadeln ab und setzt sie versetzt wieder auf – das ist die ganze Aufgabe, so nüchtern das klingt. Ohne dieses Umsetzen bleibt jedes Stück ein flaches Rechteck. Sobald ein Bündchen, eine Ferse oder irgendeine Form dazukommt, führt kein Weg mehr daran vorbei. Wie die Maschine die Masche davor überhaupt bildet und auf der Nadel hält, ist noch mal ein eigenes Thema für sich – für den Kamm reicht zu wissen, dass die Masche sicher sitzen muss, bevor man sie anhebt.

Faustregel, die mir am meisten geholfen hat: Wer nur gerade Schals oder Tücher stricken will, kann den Deckerkamm getrost im Zubehörkasten lassen. Erst wenn Formteile dazukommen, lohnt sich die Übung überhaupt.

Deckerkamm nimmt Maschen von den Nadeln einer Brother Strickmaschine ab, Nahaufnahme zur Anleitung für Anfängerinnen beim Maschinenstricken

Maschen umhängen in der Praxis, Schritt für Schritt

Zuerst schiebe ich die betroffenen Nadeln in Arbeitsposition – wie wichtig die Brother Strickmaschine Nadelpositionen dabei sind, habe ich erst nach ein paar missglückten Versuchen wirklich verstanden. Dann setze ich den Kamm möglichst flach an, fast waagerecht, und hebe die Maschen in einer ruhigen Bewegung ab, nicht ruckartig. Zu steil nach oben gezogen, rutschen die Maschen hinten über die Zinken weg, bevor sie überhaupt sicher sitzen.

Beide Unterarme lege ich dabei fest auf die Schiene der Maschine, eine Art Anker, damit die Hände weniger zittern. Klingt simpel, macht aber den Unterschied zwischen einem sauberen Ansatz und einem Wollknäuel. Wie man die Maschine überhaupt richtig einfädelt, bevor man an so etwas wie den Kamm denkt, ist ein eigenes Kapitel, das ich hier nicht aufrolle.

Woran es liegt, wenn Maschen vom Kamm rutschen

Meistens sind es drei Dinge: der Winkel, das Tempo, oder eine Hand, die nicht richtig aufliegt. Die Maschengewichte, die am Rand hängen, sind dabei schwerer, als man beim ersten Anfassen denkt – dieses kalte Metallgewicht in der Handfläche macht anfangs mehr Respekt als der Kamm selbst. Auch die Fadenspannung mischt mit, aber das ist ein eigenes Thema mit eigenen Regeln. Genauso die Garnwahl: glattes, rutschiges Garn verzeiht beim Umhängen so gut wie nichts, während etwas mit Wollanteil kleine Ungenauigkeiten eher mitmacht.

Wenn dabei mal eine Masche fällt, ist das noch mal ein separates Problem mit eigenen Ursachen, das nicht zwingend am Kamm liegt. Genervt habe ich mal in zwei, drei Facebook-Gruppen nach Rat gefragt und drei komplett widersprüchliche Antworten bekommen: eine sagte fester ziehen, eine sagte lockerer, die dritte empfahl eine ganz andere Nadelstärke. Geholfen hat das keinen Millimeter.

Mehr gebracht hat ein einziger Satz von Bertl Wanninger, einem Rentner aus einem Maschinenstrick-Onlineforum, den ich dort kennengelernt habe. Er schreibt grundsätzlich ohne Umlaute, eine alte Forumsgewohnheit, vermute ich, aus den Neunzigern: 'Kamm flach halten, nicht hetzen, dann klappt das schon.' Kurz, aber treffender als alles aus den Gruppen zusammen.

Brauche ich einen Kurs, um den Deckerkamm wirklich zu verstehen?

Eine Zeit lang habe ich es allein versucht, bis mein Strickmaschine Zubehör nur noch chaotischer auf dem Tisch herumlag und ich keinen Schritt weiterkam. Entschieden habe ich mich danach für den Kurs Die gläserne Strickmaschine, weil dort jemand erklärt, wie sich ein richtig sitzender Kamm anfühlen und anhören muss – dieses feine, metallische Einrasten, wenn die Nadel wirklich in der Vertiefung sitzt und nicht nur obendrauf liegt.

Nötig ist so ein Kurs übrigens nicht für jede Anfängerin. Bevor man überhaupt beim Umhängen ankommt, muss ohnehin die Maschenprobe stimmen, sonst verschiebt sich die ganze Rechnung – auch das rechne ich an anderer Stelle im Detail vor. Was mir am Kurs am meisten gebracht hat: Schritt-für-Schritt-Erklärungen, die wirklich bei null anfangen, und konkrete Übungen statt nur Theorie. Was mich stört: Die laufenden Kosten summieren sich, und nicht jeder Inhalt passt zu einer alten Brother-Maschine wie meiner – ohne Disziplin zahlt man am Ende für Videos, die man gar nicht anschaut.

Was sich ändert, sobald der Deckerkamm sitzt

Ich weiß noch genau, wie ich den ersten fertigen Schal vom Nadelbett gezogen habe: komplett gerade, kein einziger Ausrutscher am Rand, viel länger geworden, als geplant war, weil ich einfach nicht aufhören wollte. Vorher war der Kamm für mich ein Gegner, danach nur noch ein Werkzeug.

Neue Baustellen kommen trotzdem dazu. An Norwegermustern arbeite ich zum Beispiel noch, und auch saubere Randmaschen sind noch mal eine eigene Übung für sich. Wie ein Stück am Ende richtig abgekettet wird, ohne dass eine Masche ausfranst, gehört ebenfalls dazu, genau wie der Wickelanschlag ganz am Anfang eines Stücks, der nach ein paar Versuchen fast automatisch von der Hand geht.

Eine Freundin von mir, die ihre Abende lieber mit Sticken und Kreuzstich verbringt, hat mich neulich auf dem Stadtmarkt Augsburg gefragt, warum ich mir diesen Krampf mit zwanzig Metallzinken überhaupt antue. Meine Antwort: weil es nach dem hundertsten Mal kein Krampf mehr ist, sondern nur noch eine Bewegung, die die Hand von selbst kennt.

Wer gerade erst anfängt und vor dem Kamm zittert: Das Licht über dem Nadelbett entscheidet oft mehr als Talent, eine helle Klemmleuchte ersetzt fast im Alleingang viel Übung. Und wer nach ein paar missglückten Versuchen aufgeben will, kann auch einfach eine Pause machen, die Maschine läuft nicht weg, und beim nächsten Mal sitzt meistens genau die Masche, die vorher dreimal gerutscht ist. Wer den Umweg über einen Kurs wie Die gläserne Strickmaschine sparen möchte, schaut sich am besten selbst an, ob die Erklärungen zur eigenen Maschine passen, für mich war es der Unterschied zwischen Raten und wirklich verstehen, was unter meinen Händen passiert.