Brother Strickmaschine Nadelpositionen: Was die Buchstaben A B D E bedeuten

Brother Strickmaschine Nadelpositionen: Was die Buchstaben A B D E bedeuten

Zweihundert Nadeln. Und am Anfang kannte ich für keine einzige davon den Unterschied zwischen geparkt und einsatzbereit. Meine gebrauchte Brother KH-Serie vom Flohmarkt hat genau diese Anzahl im Nadelbett, jede mit vier möglichen Positionen – A, B, D, E – die als winzige Buchstaben eingraviert sind. Zum Maschinenstricken lernen gehört offenbar auch, sich mit einer Lupe über kaltes Metall zu beugen und vier Buchstaben zu entziffern, die über Erfolg oder Wollknäuel-Chaos entscheiden. Für jemanden, die gerade erst richtig stricken lernt, war das anfangs schlicht zu viel auf einmal.

Am Anfang hab ich gedacht, A stünde für Anfang – logisch, oder? Also hab ich brav alle zweihundert Nadeln auf A geschoben und mich gewundert, warum der Schlitten einfach drübergleitet, ohne einen einzigen Faden zu fassen. Die Maschine hat mich schlicht ignoriert, so als würde man mit einer Gabel versuchen, Suppe zu löffeln.

Nadelpositionen am Nadelbett: vier Buchstaben, die alles entscheiden

Nadelpositionen sind bei einer Strickmaschine das Erste, was man wirklich verstehen muss, bevor irgendetwas Sinn ergibt. Bei meiner Brother KH-Serie beträgt der Nadelabstand 4,5 Millimeter, das ist der Standard für einen sogenannten Feinstricker, und schon ein einziger Millimeter daneben reicht, damit nichts mehr passt.

Die winzige Lupe, mit der ich die Buchstaben überhaupt lesen konnte, hab ich mir in der Galeria am Königsplatz gekauft, weil ich ohne sie komplett aufgeschmissen war. Ohne Lupe sehen A, B, D und E an so einem alten Nadelbett fast identisch aus.

Wenn eine Nadel richtig in eine Position rutscht, macht sie ein kleines, klares Klick – erst dieses Geräusch war lange mein einziger verlässlicher Hinweis, ob ich überhaupt etwas richtig gemacht hatte, lange bevor ich die Buchstaben auf Anhieb unterscheiden konnte.

Brother Strickmaschine Nadelposition A: Nadeln in der hinteren Parkstellung am Nadelbett.

Position A: die Parkposition für Pausen-Nadeln

Position A ist die hinterste Stellung am Nadelbett, quasi der Parkplatz für Nadeln, die gerade nichts zu tun haben. Steht eine Nadel ganz hinten, ist sie für den Schlitten praktisch unsichtbar – er fährt einfach oben drüber, ohne den Faden zu fassen.

Drei Stunden hab ich damals gebraucht, um zu merken, dass die Nadeln einfach nur brav geparkt waren und nicht die Wolle das Problem war. Praktisch ist Position A trotzdem: Will man zum Beispiel nur mit der Hälfte der zweihundert Nadeln arbeiten, parkt man den Rest einfach auf A und lässt ihn in Ruhe.

Bleiben Nadeln versehentlich auf A stehen, wo eigentlich gestrickt werden soll, ist das übrigens einer der häufigsten Gründe für Maschenfall bei Anfängerinnen – die Nadel ist einfach zu weit weg vom Geschehen, um überhaupt mitzumachen.

Damit ich bei so vielen neuen Begriffen nicht komplett den Faden verliere, hab ich mir ein Glossar der Maschinenstrick-Begriffe für Anfänger angelegt. Man kommt sich am Anfang echt ein bisschen dumm vor, wenn man vor so viel Technik steht und nicht mal weiß, wo man die Nadeln hinschieben soll.

Warum ist Position B die eigentliche Arbeitsposition?

Position B ist ein kleines Stück weiter vorne als A, und hier passiert die eigentliche Arbeit. Alle Nadeln, mit denen man ganz normal glatt rechts stricken will, müssen auf B stehen, sonst bleibt der Faden einfach liegen.

Bevor man in Position B überhaupt lostrickt, muss natürlich ordentlich eingefädelt sein – auch das ist nochmal ein eigenes Kapitel für sich, das mich in den ersten Wochen fast mehr Nerven gekostet hat als die Nadelpositionen selbst.

Wie stramm dabei die Fadenspannung eingestellt ist, entscheidet zusätzlich mit, ob die Maschen gleichmäßig werden – aber das ist wieder ein eigenes Thema, über das ich hier nicht groß reden will.

Bewegt man die Nadeln in Position B, merkt man auch, warum die Sperrschiene bei der Brother Strickmaschine so wichtig ist – sie hält die Nadel nämlich mit dem richtigen Druck nach unten, damit sie nicht unkontrolliert hin- und herwackelt.

Brother Strickmaschine Nadelposition B: Nadeln in Arbeitsstellung mit eingehängtem Garn am Nadelbett.

Position D und die Sache mit den Mustern

Position D liegt noch ein Stück weiter vorne als B und war für mich lange ein Rätsel. Bei vielen Brother-Modellen wird D für Muster genutzt, etwa beim Arbeiten mit Lochkarten: Bestimmte Nadeln werden auf D vorgeschoben, damit der Schlitten weiß, welche davon beim nächsten Durchgang etwas Besonderes machen sollen.

Welches Garn man für so ein Muster überhaupt nimmt, ist nochmal eine ganz andere Geschichte – dünnes Garn verhält sich auf D spürbar anders als dickeres. Wenn man kein Muster strickt, sollte man die Nadeln hier eigentlich nicht parken, sonst wundert man sich am Ende, warum plötzlich mitten in einer glatten Reihe etwas Merkwürdiges passiert.

Seit ich weiß, wie das mit D funktioniert, hab ich mir auch überlegt, Strickmaschine Zubehör platzsparend und übersichtlich organisiere, damit die kleinen Plastikkämme zum Vorschieben der Nadeln immer griffbereit liegen und ich nicht jede zweite Nadel einzeln mit dem Fingernagel vorpuhlen muss.

Bei Position E erst die Hebel prüfen, dann stricken

Position E ist ganz vorne, so weit draußen, dass man denkt, die Nadel fällt gleich aus dem Bett. Offiziell heißt das die Haltestellung. Genau hier ist mir mein größter Fehler passiert – nicht wegen der Position an sich, sondern weil ich den Schlitten einfach schnell durchgezogen hab, statt langsam und gleichmäßig, so wie man es eigentlich erst üben sollte, bevor man sich an E überhaupt herantraut.

Wenn Nadeln auf E stehen, müssen an der Seite des Schlittens die sogenannten Russell-Hebel umgestellt werden. Vergisst man das und rauscht mit Schwung drüber, gibt es dieses hässliche, metallische Knirschen – der Schlitten versucht, gegen Nadeln zu drücken, die er in diesem Modus physikalisch gar nicht bewegen kann.

Vreni von oben hat's damals sogar gehört und kurz an der Tür geklopft, ob bei mir alles in Ordnung ist. War es nicht ganz, aber wenigstens war die Maschine am Ende noch heil.

Russell-Hebel am Schlitten der Brother Strickmaschine für die Umstellung auf Nadelposition E.

Die Position allein erklärt noch gar nichts

Der eigentliche Kern ist: Die Buchstaben A, B, D und E bedeuten für sich genommen gar nichts. Was am Ende passiert, hängt davon ab, wie der Schlitten eingestellt ist – stehen die Russell-Hebel auf N, strickt der Schlitten Nadeln in E-Position stinknormal ab, stehen sie auf H, ignoriert er sie komplett. Nadelposition und Schlitteneinstellung müssen zusammenpassen, sonst nützt die schönste Position gar nichts.

Woche 10 in meinem Lerntagebuch: sieben Stunden an der Maschine, eine Maschenprobe gestrickt, nachgemessen, nachgerechnet, und zum ersten Mal ist die Zahl aufgegangen, Millimeter für Millimeter, ohne dass ich irgendwo nachjustieren musste. Seit der Maschine vom Flohmarkt hab ich keinen Cent mehr ausgegeben, nur Zeit reingesteckt, und genau diese Woche hat sich das Stricken zum ersten Mal nach Übung angefühlt statt nach Zufall.

Heidi aus dem Erdgeschoss fragt bei jedem Besuch als Erstes, wie lange es eigentlich dauert, bis man was Brauchbares hinbekommt. Meine Antwort inzwischen: Es hängt weniger an der reinen Zeit als daran, ob man kapiert, dass Nadelposition und Schlitten zwei Teile derselben Gleichung sind. Das eine ohne das andere bringt gar nichts.

Was danach kommt – der Wickelanschlag am Anfang, die Maschenbildung selbst oder das Abketten am Schluss – sind nochmal eigene Kapitel, aber ohne die richtige Nadelposition kommt man bis dahin gar nicht erst.

Nach jetzt etwas über einem Jahr mit der Maschine würde ich sagen: Lern die vier Buchstaben nicht auswendig wie Vokabeln, sondern schau bei jedem Fehler zuerst auf die Hebel am Schlitten, dann erst auf die Nadeln. Das hätte mir in den ersten Wochen einiges an Nerven erspart.