Strickmaschine im Winter: Was man bei Kälte und Heizungsluft beachten muss

Brother KH Strickmaschine im Winter: Pflege-Tipps gegen Kälte und Heizungsluft für Anfänger

Kann kalte Luft einer Strickmaschine wirklich schaden, oder bildet man sich das im Winter nur ein, weil die eigenen Finger klamm sind? Diese Frage bekomme ich im Winter ständig gestellt, meistens von Leuten mit einer frisch gekauften Brother KH, die im Advent plötzlich merken, dass der Schlitten sich komisch anfühlt. Unten beantworte ich sie ausführlich – mit allen Anfänger-Fehlern und Pflege-Tipps, die mich in meinem eigenen Bastelzimmer in Augsburg schon Nerven gekostet haben.

Die Antwort direkt vorweg: Ja, Kälte macht etwas mit der Maschine – aber vermutlich nicht das, was zuerst vermutet wird. Nicht die Maschen selbst leiden unter dem Wetter, sondern der Schlitten und das Öl im Nadelbett. Dazu kommt die trockene Heizungsluft, die der Wolle mehr zusetzt als jede Kälte allein.

Wird die Brother KH bei Kälte wirklich langsamer?

Ja, und zwar spürbar. Meine Brother KH hat 200 Nadelkanäle, und bei einem Nadelabstand von 4,5 Millimetern bleibt sowieso kaum Platz für irgendetwas, das den Lauf bremst. Wird das Metall über Nacht richtig kalt, verändert das Maschinenöl seine Konsistenz – es wird zäh, fast wie kalte Butter, die man über hartes Brot ziehen will. Der Schlitten lässt sich dann nur noch schwer schieben, ruckelt und blockiert an Stellen, wo im Sommer nie ein Problem war.

Genau davon habe ich mich anfangs täuschen lassen. Als der Schlitten das erste Mal so bockig wurde, dachte ich, die Mechanik wäre komplett hinüber. Dabei lag es schlicht am Thermometer, nicht an der Technik.

Nahaufnahme der Metallnadeln einer Brother KH Strickmaschine im Nadelbett bei winterlicher Kälte

Trockene Heizungsluft und die Sache mit der Wolle

Für Wohnräume wird eine Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent empfohlen. In meinem Zimmer fällt sie im Februar bei voll aufgedrehter Heizung locker auf 25 Prozent, und genau da fängt die Wolle an, ein Eigenleben zu entwickeln. Sie knistert beim Abrollen, springt vom Schlitten weg und klebt sich lieber ans Plastikgehäuse als an die Nadel.

Billig ist dabei keine gute Idee. Ich hatte einmal Wolle aus dem Supermarktregal aufgelegt, weil ich sparen wollte, und die hat sich noch bevor ich eine ganze Reihe geschafft hatte komplett um die Nadeln gewickelt – die trockene Luft hat das Problem nur verschärft. Seitdem greife ich im Winter lieber zu etwas hochwertigerem Garn, auch wenn das bedeutet, mehr auszugeben.

Die Maschine richtig vorwärmen, bevor es losgeht

Zehn Minuten reichen selten, eine ganze Stunde meistens schon. Ich drehe die Heizung im Bastelzimmer vorher hoch und schiebe den Schlitten zwanzig- bis dreißigmal leer über das Bett, ohne Wolle, nur um das Öl zu verteilen. Anfangs klingt das metallisch und hakelig, fast wie klappernde Zähne.

Fertig ist die Maschine, wenn sich der Schlitten geschmeidig von einer Seite zur anderen schieben lässt, ohne zu stocken und ohne das kurze Stottern von vorhin – erst dann fange ich wirklich an zu stricken. Dieses gleichmäßige Gleiten ist für mich das einzige verlässliche Zeichen, dass Öl und Metall endlich auf Temperatur sind, zuverlässiger als jedes Thermometer.

Wie fein dieses Gefühl im Handgelenk eigentlich ist, hat mir meine Bekannte Seraphine gezeigt, die sonst nur häkelt. Sie wollte einmal kurz den Schlitten übernehmen, während ich rausging – frag mich lieber nicht, was danach an Maschen übrig war. Wir haben uns stillschweigend darauf geeinigt, das Thema nie wieder anzusprechen. Aber es hat mir klargemacht, dass selbst bei perfekt warmgelaufener Maschine noch genug schiefgehen kann, das nichts mit der Temperatur zu tun hat.

Der Paraffin-Trick gegen den Wollsalat

Geholfen hat mir am Ende ein Tipp aus einem Forum für alte Strickmaschinen: Paraffin. Der Faden läuft dabei über einen kleinen Wachsblock, bevor er zur Nadel kommt, und wird dadurch geschmeidiger – die statische Aufladung reduziert sich spürbar. Wie und warum das genau funktioniert, habe ich in einem eigenen Artikel aufgeschrieben, warum Paraffin für Strickmaschinen beim Stricken von trockener Wolle hilft, hier reicht der Hinweis: Im Winter paraffiniere ich mittlerweile jedes Knäuel, bevor es überhaupt auf die Maschine kommt.

Um zu verstehen, was zwischen den Metallteilen eigentlich passiert, sobald es kalt wird oder die Wolle anfängt zu knistern, habe ich mir irgendwann die gläserne Strickmaschine zum Verstehen der Nadelmechanik genutzt – seitdem sehe ich regelrecht vor mir, wie Öl und Faden zwischen den Nadeln zusammenspielen.

Im Textilmuseum Augsburg (tim) habe ich mal eine alte Handstrickmaschine hinter Glas gesehen, mit einem Hinweis dazu, wie empfindlich solche Mechaniken auf Temperaturschwankungen reagieren. Museal gelagert wird sowas natürlich ganz anders behandelt als meine Brother auf dem Schreibtisch, aber der Grundgedanke ist derselbe: Metall, Öl und Garn mögen keine Extreme, egal wie alt die Maschine ist. Seitdem nehme ich die Sache mit der Raumtemperatur deutlich ernster als am Anfang.

Locker 50 Euro sind bei mir für verschiedene Spezialöle und Sprays draufgegangen, bevor mir aufgefallen ist, dass Wärme und ein Stück Paraffin für die Brother KH völlig ausreichen. Wer gerade erst überlegt, sich eine gebrauchte Maschine zuzulegen, muss für den Winterbetrieb also nicht gleich ein ganzes Regal an Pflegeprodukten einplanen.

Paraffinblock neben Wollspule und Schlitten – Pflege-Tipp gegen trockene Heizungsluft im Winter

Wo sollte die Maschine im Winter überhaupt stehen?

Direkt vor dem Heizkörper ist die schlechteste Position, die es gibt. Die Luft dort ist am trockensten, und wenn die Maschine dazu noch abwechselnd Heizungshitze und Zugluft vom gekippten Fenster abbekommt, wird das Öl ungleichmäßig warm – an einer Stelle des Nadelbetts läuft der Schlitten dann leicht, zehn Zentimeter weiter hakt er wieder.

Mein Schreibtisch steht am Fenster zum Hinterhof, wo im Winter auch die Wollprobenstreifen mit Wäscheklammern hängen, und genau dort zieht es am meisten. Die Maschine ist mit zwei Schraubzwingen festgeklemmt statt verschraubt, und bei Kälte merkt man das: Zieht sich das alte Eichenholz zusammen, lockert sich die Klemmung minimal, und der Schlitten bekommt ein leichtes Spiel, das im Sommer nie auffällt. Ein Blick in den kleinen Wandspiegel schräg über dem Tisch zeigt dann sofort, ob eine Nadel schief im Bett sitzt.

Bringt man eine kalte Maschine direkt in einen warmen Raum, bildet sich außerdem oft Kondenswasser auf dem Metall – das sieht man kaum, spürt es aber, wenn die Nadeln plötzlich klamm und leicht rau wirken. Besser ist es, die Maschine einfach in dem kühleren Raum stehen zu lassen und nur den Raum selbst aufzuheizen, statt sie ständig hin und her zu tragen.

Bei kurzen Wintertagen kommt noch ein ganz anderes Problem dazu: Ab vier Uhr nachmittags ist es draußen schon dunkel, und bei schlechtem Licht zählt man sich an den Nadeln leicht einmal zu oft oder zu wenig. Deshalb habe ich mir angewöhnt, mein Nadelbett zu markieren, damit ich auch im Winterlicht nicht ständig nachzählen muss.

Fragen wie die richtige Fadenspannung, eine genaue Maschenprobe, sauberes Einfädeln, warum manchmal Maschen fallen, wie man ordentlich abkettet, die Nadelpositionen A bis E, der perfekte Wickelanschlag, die Maschenbildung selbst, das Umhängen am Deckerkamm, die Schlitteneinstellungen, verkürzte Reihen für die Sockenferse, Farbwechsel beim Streifenmuster, das richtige Dämpfen und Spannen oder die Sperrschiene – das sind alles eigene Baustellen, die ich an anderer Stelle ausführlicher behandle. Hier geht es wirklich nur um das, was Kälte und trockene Heizungsluft mit der Maschine machen. Ob sich die Maschenweite fein einstellen lässt oder sich für Anfänger überhaupt ein Doppelbett lohnt, sind ebenfalls eigene Themen für sich.

Bevor ich im Winter überhaupt eine Reihe stricke, prüfe ich zwei Dinge: Fühlt sich das Metall am Nadelbett noch richtig kalt an, und knistert die Wolle beim Abrollen vom Knäuel? Ist eine der beiden Fragen mit Ja zu beantworten, warte ich noch, statt drauflos zu stricken – meistens reichen zehn bis zwanzig Minuten, bis beides passt. Wie man die Brother anschließend regelmäßig reinigt und ölt, ist ein eigenes Kapitel, aber allein mit dieser kurzen Kälte- und Feuchtigkeitsprüfung lässt sich der größte Ärger im Winter vermeiden.