Strickmaschine transportieren: Tipps für den Umzug oder Flohmarktfund

Strickmaschine transportieren: Tipps für den Umzug oder Flohmarktfund

An einem schwülen Morgen im vergangenen Juli stand ich oben an dieser engen Dachbodentreppe und meine Knöchel waren weiß, so fest habe ich den Griff meiner alten Brother umklammert. Ich hatte panische Angst, dass diese 13 Kilogramm Vintage-Metall gleich die Schwerkraft auf die harte Tour kennenlernen – und mein mühsam erspartes 60-Euro-Schnäppchen in tausend Einzelteile zerspringt.

Eigentlich fing alles schon viel früher an, im Frühjahr 2025, als ich das Ding auf dem Flohmarkt entdeckte. Ich, völlig ahnungslos, schleppte dieses 110 cm lange Ungetüm ohne Koffer zum Auto. Ich wusste damals nicht mal, dass da 200 empfindliche Nadeln drinstecken, die quasi nur darauf warten, sich zu verbiegen. Seitdem habe ich viel gelernt – meistens, indem ich es erst mal falsch gemacht habe.

Der Schlitten: Ein 13-Kilo-Abrissbirne im Wohnzimmer

Mein größter Fehler am Anfang? Ich dachte, die Maschine ist wie ein Koffer. Einfach zumachen und los. Aber der Strickschlitten ist schwer. Wenn der nicht gesichert ist, saust er beim Tragen von links nach rechts wie eine Abrissbirne. Das knallt ordentlich und kann die Mechanik ruinieren.

Nahaufnahme der Schlittensicherung an einer Brother Strickmaschine.

Man braucht unbedingt die Schlittensicherung. Das ist dieser kleine Metallbügel, der den Schlitten fest an einer Seite verankert. Wenn du die Maschine gebraucht kaufst und das Teil fehlt: Bastel dir was! Ich habe beim Umzug einfach dicke Kabelbinder und ein Stück Pappe genommen, damit der Schlitten keinen Millimeter mehr wandert. Es ist ein bisschen wie beim Kuchenbacken – wenn die Füllung im Ofen verrutscht, ist das Ergebnis am Ende auch Mist.

Das Grauen der fallenden Nadeln

Und dann war da dieser eine Moment beim Einladen in den Umzugswagen. Ich habe die Maschine nur ein kleines bisschen zu schräg gehalten. Plötzlich hörte ich es: Dieses grässliche "Klack-klack-klack", als drei Nadeln auf den Betonboden knallten. Mir ist fast das Herz stehen geblieben.

Was ich nicht wusste: Die Nadeln werden von der Sperrschiene (der Sponge Bar) gehalten. Wenn die alt ist – und bei meiner Brother von 2025 war sie das definitiv – haben die Nadeln keinen Halt mehr, sobald man die Maschine auf den Kopf stellt oder kippt. Der scharfe, metallische Geruch von altem Maschinenöl klebte noch ewig an meinen Handflächen, während ich fluchend versuchte, die Nadeln wieder reinzufriemeln.

Mein Tipp: Bevor du die Maschine auch nur einen Meter bewegst, schieb alle Nadeln in die hinterste Position und kleb sie zur Not mit einem Streifen Kreppband fest, falls du der Sperrschiene nicht traust. Wenn das Garn später beim ersten Testen trotzdem ständig Probleme macht, liegt es oft an verbogenen Nadeln durch den Transport. Ich habe dazu mal aufgeschrieben, was ich mache, wenn das Garn beim Maschinenstricken ständig reißt, weil das oft mit solchen kleinen Transportschäden zusammenhängt.

Die feinen Stahlnadeln einer Strickmaschine neben einer schützenden Poolnudel.

Bloß nicht komplett zerlegen!

Jetzt kommt der Punkt, an dem ich fast einen Fehler gemacht hätte, weil alle im Internet was anderes sagen. Viele raten dazu, die Maschine für einen Umzug komplett in ihre Einzelteile zu zerlegen – also auch das Nadelbett von den Halterungen zu trennen. Aber wisst ihr was? Tut es nicht, wenn es nicht unbedingt sein muss.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das erneute Justieren der Nadelbett-Verbindung für uns Anfängerinnen die Hölle ist. Wenn das einmal nicht mehr hundertprozentig gerade sitzt, produziert man nur noch Knoten. Ich lasse meine Maschine lieber am Stück, polstere sie aber aus wie ein rohes Ei. Poolnudeln aus dem Ein-Euro-Shop sind da lebensrettend! Einfach aufschlitzen und über die empfindlichen Kanten und den Fadenspanner stecken.

Apropos Fadenspanner: Den musst du natürlich abbauen. Das ist das fragilste Teil an der ganzen Konstruktion. Ich wickle meinen immer in ein altes Geschirrtuch und lege ihn in eine separate Kiste mit Wolle. Da liegt er weich und kann nicht verbiegen.

Ankunft in der neuen Wohnung

Als wir dann endlich in der neuen Wohnung in Augsburg waren, war die Strickmaschine das erste Teil, das ich ausgepackt habe. Noch vor der Kaffeemaschine! Ich habe sie vorsichtig auf den Tisch geschraubt und erst mal nur den Schlitten leer hin und her geschoben. Dieses sanfte Schnurren zu hören, war so eine Erleichterung.

Falls du auch gerade umziehst und Angst hast, dass die Nachbarn sich über das Geratter beschweren (Maschinenstricken ist ja leider nicht gerade leise), schau dir mal meine Tipps um die Lautstärke der Strickmaschine in der Mietwohnung zu dämpfen an. Das hat mir hier im hellhörigen Altbau echt den Frieden mit den Nachbarn gerettet.

Insgesamt hat mich der Transport-Spaß etwa drei Stunden Vorbereitung gekostet und null Euro (dank der geerbten Poolnudeln meines Neffen). Es ist nervig, ja. Aber wenn ich daran denke, dass ich diese 110 cm Metall fast geschrottet hätte, waren die Kabelbinder jeden Cent wert. Seid vorsichtig mit euren Schätzen – sie sind zwar aus Stahl, aber im Herzen sind sie Mimosen!