
Aufgetrenntes Garn aus einem alten Pullover kringelt sich wie nach einer Dauerwelle – das ist die erste Überraschung für alle, die gebrauchte Wolle nachhaltig für die Strickmaschine wiederverwenden wollen.
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Die besten Pullover zum Aufribbeln
Am besten eignen sich Pullover aus reiner Wolle oder einer Wolle-Mischung, nicht aus Acryl oder einem Gewebe mit viel Kunstfaseranteil. Meine Brother, für die ich ungefähr sechzig Euro auf einem Flohmarkt bezahlt habe, hat ordentlich Garn-Hunger, und ein neuer Pulli aus Kaschmirwolle-Mischung würde das Budget einer halbtags arbeitenden Bürokauffrau sprengen. Ein Second-Hand-Fund für drei Euro ist da schon eher drin, gerade für Anfängerinnen, die erst mal ausprobieren wollen, ob Maschinenstricken überhaupt ihr Ding ist. Meine Bekannte Seraphine, die in Augsburg praktisch jeden Wollladen und jeden Second-Hand-Laden von innen kennt, hat mir gezeigt, worauf ich beim Stöbern achten sollte.
Bevor der Pulli überhaupt in die Schere kommt, lohnt sich ein Blick auf die Nähte. Wurde er mit einer Overlock-Maschine zusammengenäht, kannst du das vorsichtige Auftrennen vergessen – die Naht muss weggeschnitten werden, sonst reißt das Garn beim Ziehen.

Jede Verbindungsstelle im Garn muss danach absolut sauber sein, sonst bleibt der Schlitten irgendwann hängen. Wie man mit solchen Fabrikknoten im Garn umgeht, habe ich hier genauer aufgeschrieben: Umgang mit Knoten im Garn: Was ich bei Fabrikknoten an der Strickmaschine tue.
Der Grund, warum aufgetrenntes Garn an der Brother-Nadel kringelt
Der Nadelabstand der alten Brother-KH-Modelle liegt bei 4,5 Millimetern, das ist bei diesen Maschinen Standard. Gekräuseltes Garn verhält sich in diesem engen Abstand wie eine Feder: Es zieht sich zusammen, dehnt sich wieder aus, und genau dabei verkantet sich der Schlitten. Die Maschine selbst steht bei mir fest zwischen zwei Schraubzwingen auf einem alten Schreibtisch, weil der Ruck beim Verkanten sonst den ganzen Tisch mitnimmt.
Billige neue Wolle als Alternative
Kurz überlegt habe ich, ob sich der ganze Ribbel-Aufwand überhaupt lohnt, wenn im Laden günstige neue Wolle wartet. Einen Versuch war mir das wert: billige Supermarktwolle einfach direkt auf die Maschine. Ernüchternd war das Ergebnis – das Garn hat sich sofort um die Nadeln gewickelt, noch bevor der Schlitten auch nur eine Reihe geschafft hat. Die Herkunft des Garns war also gar nicht das eigentliche Problem. Entscheidend ist, wie gut das Garn vorbereitet ist, egal ob es aus dem Regal oder aus einem alten Pulli stammt.
Dampf entspannt das Garn zuverlässig
Aufgetrenntes Garn muss erst entspannt werden, bevor es überhaupt in die Nähe der Maschine darf. Über heißem Bügeleisen-Dampf gezogen, verschwinden die Kringel innerhalb weniger Sekunden, und ein warmer, leicht staubiger Geruch von alter Wolle liegt kurz in der Luft. Übrig bleibt ein glatter Faden, der sich anfühlt, als hätte er nie auf einem Nadelbett gelegen. Die Probenstreifen hänge ich danach mit Wäscheklammern ans Fenster zum Hinterhof, einfach weil ich im Tageslicht am besten sehe, ob irgendwo eine dünne oder beschädigte Stelle übrig geblieben ist.

Paraffin für recyceltes Garn
Ja, fast immer. Trockenes, gebrauchtes Garn gleitet ohne Hilfe kaum durch den engen Nadelabstand meiner alten Brother. Kleine Paraffin-Ringe, meist etwa 30 Millimeter im Durchmesser, lassen den Faden beim Wickeln praktisch durchflutschen.

Mein Wollwickler fasst etwa 100 Gramm pro Portion, was praktisch ist, weil ich so in kleinen Mengen sehe, ob das Garn dünner wird oder beschädigt ist. Beim Einfädeln in die Spannungsscheibe spüre ich den Zug des Fadens deutlich zwischen Daumen und Zeigefinger – zu fest gezogen, und das Garn reißt ausgerechnet an der dünnsten Stelle. Die Fadenspannung reagiert bei recyceltem Garn ohnehin empfindlicher als bei neuer Wolle vom Hersteller. Wer öfter das Problem hat, dass die Wolle ständig hängen bleibt, findet hier mehr dazu: warum Paraffin für Strickmaschinen beim Stricken von trockener Wolle hilft. Und falls der Faden trotz Wachs immer wieder aus dem Schlitten springt, hilft dieser Beitrag weiter: Was tun wenn der Faden beim Stricken ständig aus dem Schlitten springt.
Prüfe das Garn, bevor die Maschine es tut
Vor der ersten Reihe ziehe ich das vorbereitete Garn noch einmal komplett durch die Finger, auf der Suche nach dünnen Stellen oder restlichen Knoten. Mittlerweile fädele ich die Maschine ein, ohne vorher im Notizbuch nachzuschauen, und genau daran merke ich, wie viel von dem anfänglichen Chaos inzwischen sitzt. Kein Krachen, kein Verkanten, nur ein gleichmäßiger Durchlauf des Schlittens ohne Widerstand – das ist das Zeichen, dass das Garn wirklich bereit ist.

Der Aufwand lohnt sich – mit ein paar Einschränkungen
Aufgeribbelte Wolle sieht selten perfekt aus wie druckfrisch vom Hersteller – irgendwo verrät eine leicht unregelmäßige Reihe, dass hier von Hand nachgeholfen wurde. Genau das macht für mich den Unterschied zwischen einem gekauften Schal und einem, in dem wirklich Arbeit steckt. Garnwahl entscheidet beim Recycling über Erfolg oder Frust mindestens so stark wie bei neuer Wolle, und ungleichmäßiges Garn lässt die Maschine schneller Maschen fallen als frisches Fabrikgarn. Wer tiefer in die Zusammenhänge einsteigen will, dem hilft oft ein Kurs, der die Technik erklärt, ohne vorauszusetzen, dass man schon alles kennt – ich nutze dafür Die gläserne Strickmaschine, wobei sich ein Blick auf die aktuellen Konditionen direkt beim Anbieter lohnt, bevor man sich festlegt. Wer eine alte Maschine vom Flohmarkt oder aus dem Keller hat, sollte sich an das Aufribbeln trotzdem herantrauen – es schont den Geldbeutel, und am Ende hängt da ein Stück, das wirklich die eigene Geschichte erzählt.