
Springt der Faden bei dir oben am Fadenmast aus der Halterung — oder unten am Schlitten? Das klingt nach einer Kleinigkeit, aber genau diese Unterscheidung entscheidet, an welchem Teil der Brother Strickmaschine du überhaupt schrauben solltest. Ich stricke seit gut einem Jahr auf einer alten Brother vom Flohmarkt am Haunstetter Festplatz, und das Rausspringen des Fadens aus dem Schlitten war von Anfang an das Problem, das mich bei der Fehlerbehebung am meisten zur Verzweiflung gebracht hat. Für Maschinenstricken-Anfängerinnen ist das vermutlich der Klassiker unter den Garnspannung-Problemen — und die ehrliche Antwort ist: Es gibt nicht die eine Ursache. Es gibt mindestens zwei, und die beiden fühlen sich beim Stricken völlig unterschiedlich an.
Zwei ganz unterschiedliche Stellen, an denen der Faden die Maschine verlässt
Bei meiner Maschine legt der Faden auf dem Weg vom Garnständer bis zur Nadel mehrere Stationen zurück. Oben am Mast läuft er durch eine kleine Spannereinheit mit zwei Scheiben und über einen Metallbügel, der dabei einen leichten Bogen bilden muss, fast wie eine gespannte Angel. Unten, direkt am Schlitten, läuft er noch einmal durch ein kleines Fadenführer-Türchen, bevor er überhaupt zur Nadel kommt. Springt er oben raus, hat das fast immer mit der Spannung selbst zu tun — und an der Spannung herumzudrehen ist nochmal ein eigenes, ziemlich tückisches Kapitel für sich. Springt er unten raus, liegt der Fehler fast immer am Schlitten, nicht am Garn. Zwei Baustellen, zwei Diagnosen, und wer am falschen Ende sucht, dreht sich nur im Kreis.

Fall eins: Oben am Mast springt der Faden aus der Spannung
Fall eins erkennst du daran, dass es passiert, sobald der Schlitten weit nach links oder rechts über die letzte Nadel hinausfährt — also genau dann, wenn oben am Mast die meiste Fadenlänge gebraucht wird. Der Metallbügel schnellt nach vorne, es macht dieses helle „Ping", und der Faden hängt plötzlich lose neben der Maschine statt eingespannt zu sein.
Fast immer liegt das bei mir daran, dass der Faden nicht richtig zwischen die beiden Spannungsscheiben gerutscht war, sondern nur obenauf lag. Er sah eingefädelt aus, hatte aber keinen echten Widerstand. Knoten im Garn machen das noch unzuverlässiger — wie man mit Garnknoten an der Maschine am besten umgeht, ist ein eigenes Thema, aber grundsätzlich lohnt es sich, sie vor dem Stricken von Hand schon etwas flacher zu drücken. Welche Wollstärke überhaupt zuverlässig durch diese Scheiben läuft, ist wieder eine andere Geschichte, aber als Faustregel gilt: Je unregelmäßiger das Garn, desto öfter macht es „Ping".

Fall zwei: Unten am Schlitten macht der Fadenführer nicht richtig zu
Fall zwei fühlt sich komplett anders an. Es passiert nicht am Rand der Reihe, sondern mitten drin, oft genau an einer Stelle mit einem Knoten oder einer kleinen Verdickung im Garn. Bei mir ist daraus einmal ein richtiges Vogelnest geworden — ein Klumpen verhedderter Wolle, der sich unter dem Abstreifer verkeilt hatte und den ich nur mit dem Schraubenzieher wieder rausbekommen habe. Das Türchen am Fadenführer war nur halb zu, nicht richtig eingeklickt, und mir ist das vorher nicht aufgefallen.
Als mir dabei zum ersten Mal mehrere Maschen von der Nadel gefallen sind, hab ich versucht, sie mit einer Häkelnadel wieder aufzunehmen, und hab stattdessen zwei Nachbarmaschen mit aufgezogen und das ganze Feld noch mehr verknotet. Danach galt bei mir nur noch: Maschine anhalten, Ruhe bewahren, von Hand zurückarbeiten. Warum überhaupt Maschen von der Nadel fallen, ist nochmal sein eigenes Kapitel — hier zählt erstmal nur, woher an dieser Stelle das Problem kommt. Der Gegenpol dazu ist fast schon unspektakulär: Der Schlitten läuft einmal komplett glatt durch, und wenn ich danach über die Nadelreihe schaue, sitzt tatsächlich noch jede einzelne Masche brav an ihrem Platz.
Heidi aus dem Erdgeschoss, die bei jedem Vorbeischauen als erstes fragt, wie lange es eigentlich dauert, bis man damit wirklich was Brauchbares strickt, hat genau an so einem Abend kurz reingeschaut. Eine Zahl konnte ich ihr wieder nicht geben, nur den Hinweis, beim Türchen am Schlitten anzufangen, falls es bei ihrer künftigen Maschine auch mal pingt. Vreni von oben klopft inzwischen manchmal direkt an die Tür, wenn sie das Ping mehrmals hintereinander durch die Decke hört — sie hat selbst eine alte Nähmaschine und kennt das Geräusch, wenn bei so einem Gerät etwas nicht rundläuft. Wer in einer hellhörigen Wohnung wohnt, findet dazu ein paar separate Tipps, wie man die Lautstärke insgesamt dämpft — ein einzelnes, wiederholtes Ping ist aber meistens eher ein Zeichen für Fall eins oder Fall zwei als ein reines Lautstärke-Problem.
Welchen Fall du bei dir zuerst prüfen solltest
Am Ende läuft die ganze Fehlerbehebung auf eine einzige Unterscheidung hinaus. Pingt es, sobald der Schlitten weit über die letzte Nadel hinausfährt, vor allem am Anfang oder Ende einer Reihe, dann schau zuerst oben am Mast nach dem Bogen und den Spannungsscheiben — das ist Fall eins, und bei der Spannung selbst würde ich eher vorsichtig nachjustieren, zu fest ist dabei oft schlimmer als zu locker. Pingt es dagegen mitten in der Reihe, meistens genau an einer Stelle mit Knoten oder Verdickung, oder fallen dir sogar Maschen von der Nadel, dann ist der Mast erstmal unschuldig — dann bringt die Klick-Probe am Fadenführer-Türchen unten am Schlitten mehr.
Das Rädchen für die Maschenweite lass ich bei der Fehlersuche inzwischen meistens unangetastet, auch wenn man als Anfängerin als Erstes daran herumschraubt, weil es am einfachsten zu erreichen ist — mit dem Rausspringen selbst hat es fast nie etwas zu tun. Gerade bei sehr feinem oder unregelmäßigem Garn lohnt sich beim Einfädeln oft trotzdem eine andere Herangehensweise. Wie man grundsätzlich richtig einfädelt und was an den Schlitteneinstellungen selbst noch wichtig ist, sind nochmal eigene Themen für sich. Nach dem letzten Ölen der Nadeln hing noch dieser leicht schwere, metallische Geruch in der Luft, während ich systematisch erst oben, dann unten durchgecheckt habe — Maschinenpflege und Fehlersuche laufen bei mir inzwischen ziemlich oft zusammen. Zwei Stellen, zwei Fehlerbilder, eine einfache Faustregel: Rand der Reihe und Mast zuerst, Mitte der Reihe und Schlitten-Türchen zuerst. Ob das bei jeder Maschine exakt so ist, kann ich nicht sagen — ich hab ja nur meine eine.