Endlich einfache Lochmuster stricken lernen mit der gläsernen Strickmaschine

Brother Strickmaschine mit Lochmuster auf dem Nadelbett – Anleitung zum Maschinenstricken lernen

Lochmuster von Hand umzuhängen ist eine Sache – ein Lochmusterschlitten, der die Nadeln automatisch vorwählt, eine ganz andere. Mit meiner alten Brother-Strickmaschine hab ich beides ausprobiert, und nur eine der beiden Methoden hat am Ende kein Loch an der falschen Stelle produziert. Für alle, die gerade Maschinenstricken lernen und sich zum ersten Mal an ein Lochmuster wagen: Hier kommt, was bei mir am Ende funktioniert hat.

Kurzer Hinweis vorab: Der Kurs, mit dem ich das Prinzip hinter den Löchern verstanden habe, ist weiter unten als Affiliate-Link verlinkt. Kaufst du darüber, bekomme ich eine kleine Provision, dich kostet das nichts extra. Ich schreibe hier nur über Sachen, die bei mir am Nadelbett in Göggingen wirklich funktioniert haben.

Warum die Automatik beim Lochmuster einfacher ist als von Hand

Bei meiner Brother-Strickmaschine übernimmt beim Lochmuster ein zweiter Schlitten die eigentliche Arbeit – der sogenannte Lochmusterschlitten, kurz L-Schlitten. Der Hauptschlitten strickt ganz normal eine Reihe, und der L-Schlitten läuft danach separat drüber und hängt genau die Maschen um, die laut Lochkarte an der Reihe sind. Von Hand macht man mit dem Deckerkamm im Prinzip dasselbe – nur eben Nadel für Nadel, mit den eigenen Fingern, ohne dass einem eine Karte sagt, welche als Nächstes dran ist.

Genau da liegt der Unterschied: Von Hand verzählt man sich leicht, weil man sich das Muster selbst merken muss, Reihe für Reihe. Die Automatik merkt sich das für dich. Mein Rat an jede Anfängerin lautet deshalb: Fang mit der Lochkarte an, auch wenn dir überall geraten wird, erst mal von Hand ein Gefühl fürs Umhängen zu entwickeln. Das Gefühl kommt später von allein, wenn du schon weißt, wie eine saubere Reihe überhaupt aussehen soll.

Nahaufnahme der vorgewählten Nadeln an einer Brother Strickmaschine beim Stricken eines Lochmusters

So läuft eine Lochmusterreihe technisch ab

Technisch läuft das bei mir in zwei Durchgängen ab. Erst wählt die Lochkarte aus, welche Nadeln in eine vorgeschobene Position kommen, dann übernimmt der Hauptschlitten und strickt normal weiter, während der L-Schlitten die vorgewählten Maschen versetzt. Die Nadelpositionen A, B, D und E spielen dabei eine größere Rolle, als ich anfangs gedacht hätte – ausführlich erklärt hab ich die an anderer Stelle, aber beim Lochmuster hab ich zum ersten Mal wirklich begriffen, wozu Position E überhaupt gut ist. Vorher war das für mich nur ein Buchstabe auf dem Nadelbett. Wie eine Masche dabei grundsätzlich entsteht, ist noch mal ein eigenes Thema, das ich an anderer Stelle ausführlich durchgehe – hier geht es nur um das Umhängen fürs Lochmuster.

Wenn sich bei dir die Lochkarten stapeln und alles unübersichtlich wird: Ich hab mal aufgeschrieben, wie ich mein Strickmaschine Zubehör platzsparend und übersichtlich organisiere, das hilft wenigstens gegen das Kartenchaos, auch wenn's gegen technisches Unverständnis nichts bringt.

Verstanden hab ich die zwei Durchgänge nämlich erst richtig, seit ich den Kurs Die gläserne Strickmaschine gemacht habe – vorher war der L-Schlitten für mich einfach nur „das Metallding, das manchmal klemmt". Die ganzen Fachbegriffe rund um Lochmuster, Karten und Schlitten hab ich mir außerdem in meinem Glossar der Maschinenstrick-Begriffe für Anfänger noch mal in einfachen Worten aufgeschrieben, falls dir das genauso geht wie mir am Anfang.

Die Kontrolle vor der ersten Reihe

Bevor ich überhaupt eine Karte einlege, laufen bei mir ein paar Handgriffe automatisch ab. Ob die Maschenprobe zum Muster passt, ist noch mal ein eigenes Thema für sich, das ich an anderer Stelle im Detail durchgerechnet habe. Die Garnstärke ist bei Lochmustern besonders empfindlich: Zu dick, und die Maschine verweigert einfach die Vorwahl der Nadeln. Adele Witzig, eine Leserin, die hier regelmäßig in die Kommentare schreibt, hat mich genau danach gefragt – welche Garnstärke sich für dickere Wolle eignet, ist wieder ein eigenes Kapitel, das an anderer Stelle mehr Platz verdient. Auch der Anschlag am Anfang der Reihe muss sitzen, sonst zieht sich die erste Lochreihe windschief. Und beim Einfädeln merke ich inzwischen am Zug zwischen Daumen und Zeigefinger, ob das Garn schon richtig in der Spannungsscheibe liegt oder noch lose durchrutscht. Wie man die Fadenspannung an der Maschine grundsätzlich richtig einstellt, ist wieder ein eigenes Kapitel, das ich lieber an anderer Stelle ausführlich behandle.

Woran es bei mir am Anfang gehakt hat

Englischsprachige YouTube-Anleitungen hab ich mir am Anfang stundenlang angeschaut, oft in der Stadtbücherei Augsburg, weil mein Internet zu Hause zu der Zeit ewig zum Laden gebraucht hat. Verstanden hab ich davon fast nichts. Die Profis in diesen Videos zeigen den Umhängevorgang so schnell, dass mein Gehirn nach der zweiten Nadelbewegung ausgestiegen ist, und die Fachbegriffe auf Englisch hatten mit meiner deutschen Brother-Anleitung kaum was zu tun. Für mich war das schlicht verschwendete Zeit – erst der Kurs hat mir das Tempo gegeben, das mein Kopf tatsächlich mitgehen konnte.

Wenn die Reihe trotzdem nicht sauber aussieht

Über meinem Arbeitstisch hängt ein kleiner runder Spiegel, schräg genug angebracht, dass ich die Nadelreihe von oben sehen kann, ohne mich jedes Mal über die Maschine zu beugen. Bei Lochmustern ist das Gold wert: So kann ich vor jeder Reihe kurz kontrollieren, welche Nadeln die Karte wirklich vorgewählt hat, bevor der Schlitten durchläuft.

Sitzt trotzdem mal eine Masche nicht da, wo sie soll, liegt das bei mir selten an der Karte, sondern an den Gewichten am Rand. Bei Lochmustern wechselt die Spannung durch das ständige Umhängen, und ohne genug Zug an den Kanten hüpft eine Masche schon mal von der Nadel. Warum Maschen grundsätzlich fallen, ist wieder ein eigenes Thema, das an anderer Stelle ausführlicher drankommt – hier reicht der Hinweis: Bei Lochmustern lieber einmal zu viel nachhängen als einmal zu wenig. Und falls der Schlitten dabei öfter hakt, lohnt sich ein Blick auf die Sperrschiene, dazu hab ich extra was aufgeschrieben: Warum die Sperrschiene bei der Brother Strickmaschine so wichtig ist.

Locker hängende Wolle neben der Strickmaschine – Kontrolle der Kantengewichte beim Lochmuster

Der L-Schlitten ist für mich vom Feind zum Werkzeug geworden

Profi-Strickerin bin ich immer noch keine, und das wird sich vermutlich auch nicht ändern. Genau das ist am Ende meine Strickkurs-Erfahrung mit Lochmustern: Wenn die Maschine zickt, weiß ich inzwischen, wo ich zuerst nachschauen muss, statt einfach draufloszuprobieren. Neulich hab ich die Maschine komplett eingefädelt, ohne einmal ins Notizbuch zu schauen – die Handgriffe liefen von allein, noch bevor ich hätte erklären können, welcher Schritt als Nächstes dran ist.

Meine Kollegin Gabi Endriss hat mich neulich übrigens nicht gefragt, wie viele Maschen so ein Lochmusterschal eigentlich hat, sondern wie schwer er ist – als würde das Gewicht irgendwas über die Größe verraten. Bevor ich überhaupt so weit bin, das fertige Stück abzuketten, muss ohnehin jede Lochreihe sitzen; wie das Abketten selbst am besten geht, ist wieder ein eigenes Thema, dem ich an anderer Stelle mehr Raum gebe. Solche Fragen wie die von Gabi zeigen mir jedes Mal, wie wenig selbstverständlich das alles für Außenstehende ist, und wie viel ich inzwischen selbst als gegeben ansehe.

Der Kurs Die gläserne Strickmaschine bleibt für mich der Punkt, an dem der L-Schlitten vom Feind zum Werkzeug wurde. Die Erklärungen sind so aufgebaut, dass sie auch nach einem langen Bürotag noch hängenbleiben, man kann die Inhalte immer wieder anschauen, wenn man den Karten-Rapport schon wieder vergessen hat, und es gibt konkrete Übungen, die einen nicht gleich überfordern. Kostenlos ist das Ganze nicht, und man muss sich wirklich Zeit dafür nehmen – aber im Vergleich zu der Wolle, die bei mir vorher im Müll gelandet ist, hat sich das für mich gerechnet. Warum die gläserne Strickmaschine mir bei Strickmustern wirklich hilft, hab ich an anderer Stelle noch mal genauer aufgedröselt.

Wenn du selbst vor deiner Maschine sitzt und dich fragst, ob das mit den Lochmustern jemals was wird: Fang mit der Karte an, nicht mit dem Deckerkamm, und hab keine Angst, dir dabei helfen zu lassen. Es ist am Ende nur Metall und Wolle – und mit der richtigen Reihenfolge im Kopf macht selbst ein klemmender Schlitten irgendwann keinen Schrecken mehr.