Verkürzte Reihen an der Strickmaschine stricken für einfache Sockenfersen

Verkürzte Reihen an der Strickmaschine stricken für eine einfache Sockenferse – Anfänger-Tipps beim Maschinenstricken

Achtzehn Nadeln stehen bei mir still, wenn eine Sockenferse mit verkürzten Reihen an der Strickmaschine fertig gedreht ist – ungefähr die Hälfte von dem, was für die ganze Fersenbreite auf dem Nadelbett lag. Genau diese Zahl ist für mich der schnellste Check unterwegs: Stimmt sie am Ende nicht, hab ich irgendwo eine Nadel übersehen. Als Anfängerin beim Maschinenstricken bekomme ich zu genau dieser Technik immer wieder dieselben Fragen gestellt, meistens rund um Brother-Modelle und die Sockenferse. Hier beantworte ich sie der Reihe nach, ohne Umweg über ein ganzes Lerntagebuch.

Was sind verkürzte Reihen an der Strickmaschine überhaupt?

Verkürzte Reihen bedeuten, dass du den Schlitten nicht über die komplette Nadelreihe laufen lässt, sondern nur über einen Teil davon. An den Rändern schickst du Nadel für Nadel ein paar Nadeln in eine Art Pause – sie bleiben stehen, ohne mitzustricken –, während der Schlitten nur noch über die mittleren Nadeln fährt. Reihe für Reihe wird dieser Mittelteil enger, bis am Ende genau die Rundung entsteht, die eine Sockenferse braucht. Bei Socken macht das den ganzen Unterschied zwischen einem geraden Schlauch und einem Teil, das wirklich um die Ferse passt.

Wer häkeln kann, kennt das Prinzip vielleicht schon von der Häkelferse: Auch dort drehst du die Reihen nicht komplett, sondern nur über einen Teil der Maschen. An der Maschine ist das Prinzip gleich, nur dass die Nadeln die Pause für dich übernehmen und du sie nur an- und wieder abmelden musst.

Falls du dir das schwer vorstellen kannst: Im Textilmuseum Augsburg, kurz tim, stehen ein paar historische Strickautomaten, an denen man richtig sieht, wie viele Nadeln allein bei einer einzigen Reihe im Spiel sind. Im Kleinen läuft an der Heimmaschine genau dasselbe Prinzip, nur eben auf Sockengröße heruntergebrochen.

Nadeln in Ruheposition schicken

Damit eine Nadel nicht mitstrickt, muss sie in die Halteposition – bei den meisten Brother-Modellen ist das die E-Position, weiter vorne geschoben als beim normalen Stricken. Welche Position bei deiner Maschine wofür steht, ist noch mal ein größeres Thema für sich; entscheidend hier ist nur die eine Position, die du für die Pause brauchst. Damit der Schlitten diese Pause auch respektiert, musst du zusätzlich die passenden Hebel am Schlitten umlegen, und weil das öfter für Verwirrung sorgt, habe ich dazu extra was aufgeschrieben: Was bedeuten die Schlitten Einstellungen bei der Brother Strickmaschine genau?

Nadeln in Ruheposition an der Brother Strickmaschine beim Stricken der Sockenferse mit verkürzten Reihen

Der Schlitten verrät dich am Klang

Am Klang erkennst du mehr als am Gefühl in den Fingern. Läuft alles richtig, rattert der Schlitten sauber und gleichmäßig von einer Seite zur anderen, ohne einen einzigen Aussetzer oder Widerstand – für mich das verlässlichste Zeichen, dass die wartenden Nadeln wirklich stillhalten und keine heimlich mitzieht. Kommt eine Nadel wieder ins Spiel, hörst du das ebenfalls: ein kurzer, klarer Klick, wenn sie hochspringt und einrastet. Die Fadenspannung beim Wenden spielt da natürlich mit rein, ist aber ein eigenes Thema für sich: zu stramm gezogen, und du bekommst an den Wendepunkten kleine Löcher.

Ein Krallengewicht entscheidet über die Form

Bei einer Fersenrundung wird das Gestrick an einer Stelle dicker und schwerer als überall sonst, und genau da entscheidet sich, ob du ein zusätzliches Gewicht brauchst. Meine Faustregel: Sobald sich die Maschen in der Mitte der Ferse leicht nach oben wölben, statt flach zu hängen, hänge ich ein Krallengewicht dazu, noch bevor irgendwas reißt. Wartest du, bis eine Masche wirklich vom Haken rutscht, ist es meistens schon zu spät und du fängst die Reihe neu an. Das Thema, warum Maschen an der Maschine überhaupt mal fallen, ist noch mal ein eigenes großes Kapitel – hier reicht der Hinweis: Bei einer Ferse ist ein zusätzliches Gewicht selten übertrieben.

Sockenferse mit Krallengewichten an der Strickmaschine – verkürzte Reihen beim Maschinenstricken für Socken

Wenn sich Forum-Tipps widersprechen

Am Anfang hab ich in ein paar Facebook-Gruppen nachgefragt, wie andere ihre Fersen stricken, und drei Antworten bekommen, die sich gegenseitig komplett widersprochen haben – die eine schwor auf jede Reihe eine Nadel mehr, die nächste auf jede zweite, die dritte riet mir, das Ganze über den Deckerkamm zu machen. Geholfen hat mir das an dem Abend nichts, nur mehr Verwirrung. Erst später hat sich gezeigt, was wirklich zieht: eine einzelne Anleitung konsequent zu Ende zu stricken, statt mittendrin auf eine andere umzusteigen, nur weil sie vielleicht schneller aussieht. Bertl, ein Rentner aus einem Maschinenstricken-Forum, hat mir dazu mal geschrieben, dass er bei jedem alten Modell noch die Teilenummer im Kopf hat, während ich froh bin, wenn ich weiß, wo bei meiner Brother der Ein-Aus-Schalter sitzt. Sein Tipp war trotzdem einfach: bei der ersten Ferse nur eine Methode durchziehen, nicht drei gleichzeitig testen.

Die richtige Wolle für die Ferse

Ich stricke meine Socken mit ganz normaler 4-fädiger Sockenwolle, nichts Exotisches. Welche Garnstärke grundsätzlich zu welcher Maschine passt, ist ein eigenes Thema für sich, das ich an anderer Stelle ausführlicher behandle – für die Ferse reicht der Hinweis, dass glattes, gut gedrehtes Garn sich bei den Nadeln in Ruheposition einfach williger verhält als flauschige oder ungleichmäßige Wolle. Bevor es überhaupt losgeht, lohnt sich sauberes Vorbereiten: wie man Wolle für die Strickmaschine richtig wickelt und vorbereitet hab ich dazu extra aufgeschrieben, weil sich dieser eine Schritt später über die ganze Ferse bemerkbar macht.

Eine Freundin von mir bestickt in ihrer Handarbeitszeit lieber Kissenbezüge im Kreuzstich und schüttelt jedes Mal den Kopf, wenn ich ihr von Ruhenadeln und Halteposition erzähle. Für sie klingt das nach einer ganz anderen Sprache, dabei ist es am Ende dasselbe Prinzip: Fläche für Fläche entsteht ein Bild, nur eben mit Maschen statt mit Stichen.

Was am Ende wirklich zählt

Verkürzte Reihen sind kein Buch mit sieben Siegeln, auch wenn sich das am Anfang so anfühlt. Die Technik dahinter ist überschaubar: Nadeln pausieren, der Schlitten fährt über einen kleineren Teil, Reihe für Reihe wandert die Grenze weiter. Was am Ende über eine saubere Ferse entscheidet, sind die kleinen Kontrollpunkte unterwegs – die richtige Anzahl an Nadeln, das gleichmäßige Geräusch beim Stricken, das rechtzeitige Gewicht, eine Methode, die du konsequent durchziehst statt drei auf einmal. Wer die Nadeln dabei lieber sehen statt nur hören will, findet mit einer anderen Maschine vielleicht mehr Ruhe – dazu hab ich extra aufgeschrieben, warum sich der Kauf der gläsernen Strickmaschine für jeden Anfänger lohnt, falls dich das Thema Sicht mehr interessiert als der Klang. Wenn du dir nur eine Sache mitnimmst, dann diese: zähl mit, hör hin, und lass dich nicht von widersprüchlichen Tipps aus dem Netz aus der Ruhe bringen.