Was bedeuten die Schlitten Einstellungen bei der Brother Strickmaschine genau?

Brother Strickmaschine Schlitten mit Einstellungen für Anfängerinnen im Maschinenstricken

Zwei Positionen an einem einzigen Hebel, ein Unterschied wie Tag und Nacht: Steht er auf N, strickt jede Nadel stur mit. Steht er auf H, lässt der Schlitten genau die Nadeln stehen, die gerade nichts zu tun haben. Genau darum geht es bei den Schlitten-Einstellungen an meiner Brother Strickmaschine — nicht um Zauberei, sondern um ein paar Hebel und Knöpfe, die exakt festlegen, was jede einzelne Nadel als Nächstes tun soll. Wer gerade frisch beim Maschinenstricken eingestiegen ist und als Anfängerin vor genau diesem grauen Klotz sitzt, kennt das Gefühl: Alles am Schlitten sieht gleich aus, bedeutet aber komplett Verschiedenes.

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Bevor es an die einzelnen Hebel geht, kurz zur Transparenz: Kaufst du über einen Link in diesem Beitrag einen Kurs, bekomme ich eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts. Genutzt habe ich dafür selbst die gläserne Strickmaschine, weil ich nach zu vielen verhedderten Reihen einfach sehen wollte, was im Schlitten mechanisch passiert, bevor ich wieder blind draufloslege.

Schlitten-Einstellungen für Anfängerinnen: die Brother ist ohne sie nur ein Brett mit Haken

Eine Strickmaschine ohne Schlitten ist ein langes Brett mit hundert kleinen Metallhaken, nutzlos, bis jemand jeder Nadel sagt, was sie tun soll. Genau das übernimmt der Schlitten. Bei meinem Modell liegen die Nadeln 4,5 Millimeter auseinander, der Standard für feineres Garn, und auf diesem schmalen Streifen entscheidet jede Einstellung, ob eine Reihe glatt durchläuft oder in einem Wollknäuel endet. Über meinem alten Eichenholzschreibtisch, auf dem die Maschine mit zwei Schraubzwingen festsitzt statt verschraubt zu sein, hängt schräg ein kleiner runder Spiegel, nur so sehe ich von oben, welche Nadel gerade nicht sauber mitzieht, ohne mich jedes Mal seitlich über das Nadelbett zu beugen.

Die Maschenweite: zwischen zu fest und zu locker

Das auffälligste Rad am Schlitten zeigt Zahlen von 0 bis 10, die Maschenweite. Im Prinzip ist das wie beim Häkeln: Eine dicke Nadel macht lockere Maschen, eine dünne macht alles fest — nur dass hier nicht die Nadel wechselt, sondern der Schlitten entscheidet, wie weit er jede Nadel zurückzieht. Welches Garn überhaupt zu einer Brother passt, ist noch mal ein eigenes Thema, genau wie die Fadenspannung, die mit der Maschenweite oft verwechselt wird, aber etwas anderes regelt.

Einmal hatte ich billige Wolle aus dem Supermarkt eingespannt, die sich, kaum dass der Schlitten die erste Reihe losgelegt hatte, sofort um die Nadeln gewickelt hat — der Schlitten blieb stehen, als wäre er gegen eine Wand gefahren. Je dünner und rutschiger das Garn, desto vorsichtiger sollte die Zahl am Rad gewählt werden, sonst frisst sich der Schlitten fest, genau wie bei mir.

Nahaufnahme des Maschenweiten-Rads am Schlitten einer Brother Strickmaschine als zentrale Schlitten-Einstellung

Plain, Tuck oder Part – welche Taste wofür?

Vorne am Schlitten sitzen bei meiner Brother zwei Part-Tasten und zwei Tuck-Tasten, und lange habe ich sie einfach ignoriert, aus Angst, etwas kaputtzumachen. Dabei lässt sich jede der drei Grundeinstellungen gut mit Häkeln vergleichen. Plain ist der Normalzustand: alle Tasten oben, jede Nadel strickt stur jede Reihe ab — mein Sicherheitsnetz, wenn ich nicht mehr weiterweiß. Tuck funktioniert wie eine Schlaufe, die man beim Häkeln holt, aber nicht sofort durchzieht: Die Nadel behält den alten Faden und nimmt zusätzlich einen neuen auf, was flauschige, texturierte Muster ergibt, aber bei zu vielen Reihen hintereinander stapeln sich plötzlich fünf Fäden auf einer Nadel, und nichts geht mehr. Part dagegen lässt eine Nadel schlicht in Ruhe: Sie hält ihre Masche fest, strickt aber nicht mit, der Faden läuft einfach hinten vorbei. Für zweifarbige Muster kommt zusätzlich MC ins Spiel, mein bisher wackligstes Terrain — meine ersten Erfahrungen mit Norwegermustern zeigen ziemlich deutlich, wie viel davon noch Versuch und Irrtum war. Sobald klar ist, dass jede dieser Tasten nur festlegt, ob eine Nadel strickt, fängt oder aussetzt, verliert der ganze Tastenblock seinen Schrecken.

Der N-H-Hebel entscheidet, welche Nadeln mitmachen

Seitlich am Schlitten sitzt außerdem ein kleiner Schieber zwischen N und H, und genau der war am Anfang mein größtes Rätsel. N steht für Normal, H für Holding, also Halten. Auf N strickt jede Nadel stur mit, ganz gleich, wo sie im Nadelbett steht. Auf H dagegen lässt der Schlitten alle Nadeln stehen, die ganz vorne in der sogenannten E-Position stehen — praktisch, wenn ein Halsausschnitt oder eine Schulter geformt werden soll, ohne dass man jede einzelne Nadel von Hand abstrickt. Was die einzelnen Nadelpositionen überhaupt bedeuten, also A, B, D und E, habe ich in einem eigenen Text aufgedröselt: Brother Strickmaschine Nadelpositionen erklärt. Sobald man weiß, warum eine Nadel plötzlich nicht mehr mitspielt, wirkt der H-Hebel weniger wie Zauberei und mehr wie ein simpler Schalter.

Wenn der Schwung kippt: was den Schlitten aus dem Takt bringt

Kein Handbuch erwähnt, was passiert, wenn der Schlitten mitten in der Reihe gestoppt wird — durch eine Kaffeetasse auf der Laufbahn, ein Wollknäuel im Weg oder einfach einen ungeschickten Moment. Bei 200 Nadeln auf dem Bett reicht ein einziger Ruck, damit sich irgendwo eine Schlaufe verheddert oder der ganze Schlitten blockiert, und dann darf die Reihe von vorne beginnen.

Meine Bekannte Seraphine, die ich aus einem Häkeltreff hier in Augsburg kenne, hat genau das einmal am eigenen Leib erlebt: Sie wollte kurz zeigen, dass Häkeln und Maschinenstricken doch irgendwie verwandt sein müssten, hat den Schlitten beherzt quer durchgeschoben — seitdem sprechen wir beide einfach nicht mehr darüber, was danach auf dem Nadelbett lag.

Die Lehre daraus ist simpel: Der Schlitten braucht eine freie Laufbahn und eine gleichmäßige Bewegung von Rand zu Rand, keine halben Stopps und keine Umwege.

Allein tüfteln oder Kurs: zwei Wege zu denselben Einstellungen

Es gibt zwei Wege, bis diese ganzen Hebel und Tasten wirklich Sinn ergeben.

Der eine führt über die Bedienungsanleitung und ein paar verhedderte Reihen: jede Einstellung selbst ausprobieren und die Ergebnisse in einem Heft notieren. Das kostet Zeit und ein paar Nerven, aber am Ende gehört einem das Wissen wirklich selbst.

Alternativ zeigt ein Kurs Schritt für Schritt, was im Schlitten mechanisch passiert, bevor man wertvolle Wolle daran verschwendet — bei mir war das Die gläserne Strickmaschine, wo man im Video genau sieht, was beim Drücken von Tuck im Inneren passiert.

Gelernt habe ich darüber auch, wie man Maschen mit dem Deckerkamm umhängt, ohne dass am Ende alles von den Nadeln rutscht — Einfädeln und Maschenaufnahme hängen an der Brother enger zusammen, als ich anfangs dachte.

Wenn ich meine Maschenprobe nachrechne und nachmesse, liegt die Reihenzahl inzwischen exakt da, wo die Rechnung sie vorhersagt, kein Millimeter Abweichung — dann weiß ich, dass Maschenweite und Garn zusammenpassen.

Wer gerne tüftelt und ein paar aufgetrennte Reihen nicht schreckt, kommt mit der Anleitung und etwas Geduld an der Brother ziemlich weit. Wer lieber sofort sieht, warum eine Einstellung funktioniert, bevor er sie an teurer Wolle testet, ist mit einem strukturierten Kurs schneller am Ziel.

Und wenn am Ende ein Stück zusammengenäht werden muss, lohnt sich ein Blick auf den Matratzenstich für saubere Ergebnisse — das macht optisch den größten Unterschied am fertigen Teil.