Stricken mit Baumwolle auf der Brother Strickmaschine: Tipps für saubere Maschen

Baumwolle stricken auf der Brother KH840 Strickmaschine – Nahaufnahme der Nadelreihe mit hellem Garn

Baumwollgarn klingt auf der Nadel anders als Wolle – trocken, fast wie Schmirgelpapier, statt mit dem weichen 'Scht-Scht', das man von Schafwolle kennt. Die meisten Stricktipps für Anfänger beim Maschinenstricken mit Baumwolle sagen dasselbe: mehr Krallengewicht dranhängen, damit die Maschen sicher abgeschlagen werden. Genau dieser Rat hat mich beim Baumwolle stricken auf meiner Brother KH840 am längsten aufgehalten – und er ist, zumindest so pauschal, schlicht falsch.

Mehr Gewicht ist bei Baumwolle nicht die Lösung

Wolle gibt nach. Zieht man am Faden, dehnt er sich kurz und federt zurück, das gleicht kleine Schwankungen in der Fadenspannung von selbst aus. Baumwolle macht das nicht mit – der Faden bleibt starr, fast wie Bindfaden. Genau deshalb kippt die übliche Logik: Zusätzliches Gewicht zieht die Maschen in der Mitte einer Reihe lang, während sie an den Rändern klein und fest bleiben. Nach dem Waschen sieht so ein Stück aus, als wäre es durch ein schiefes Fenster gestrickt worden.

Woran ich inzwischen erkenne, ob das Gewicht stimmt: Ich hänge erst nur so viel dran, dass der Schlitten ohne Widerstand durchläuft, und beobachte dann die mittlere Reihe genau. Zieht sie sich sichtbar länger als der Rand, kommt ein Gewicht runter statt rauf. Rutschen dagegen Maschen von den Nadeln oder bilden sich Schlaufen am Rand, kommt eins dazu. Diese Gegenprobe bringt mehr als jede feste Zahl, die irgendwo als Faustregel steht.

Zur Maschenweite noch eine kurze Anmerkung, weil das oft mit dem Gewicht verwechselt wird: Baumwolle gibt nicht nach wie Wolle, und ich achte deshalb inzwischen genauer darauf, wie ich die Maschenweite an der Strickmaschine richtig einstelle – deutlich lockerer als bei Wolle. Meine ersten Baumwollreihen waren steif wie Pappe, bis ich das begriffen hatte.

Baumwollgarn läuft straff durch die Fadenspannung der Brother Strickmaschine, deutlich strammer als Wolle

Warum reißt der Schlitten plötzlich alle Maschen mit?

Der zweite Irrtum sitzt tiefer, und ich habe ihn selbst ausprobiert, weil es schnell gehen sollte: den Schlitten einfach zügig durchgezogen, so wie bei Wolle, statt langsam und gleichmäßig. Bei Wolle federt der kleine Ruck einfach ab. Bei Baumwolle nicht. Der Faden hat sich in der Fadenzuführung verhakt, ein Randgewicht ist ausgehängt, und im nächsten Moment sind mir alle Maschen einer ganzen Reihe gleichzeitig von den Nadeln gerutscht.

Seitdem achte ich auf ein bestimmtes Geräusch: ein gleichmäßiges Klack-Klack bei jedem Nadelkontakt, ohne dass der Schlitten irgendwo hängenbleibt oder ruckelt. Läuft er so durch, stimmt die Spannung. Fängt er an zu stocken, ist das die Warnung, bevor etwas reißt oder von den Nadeln fällt.

Wer öfter mit gerissenem Faden kämpft, findet mehr dazu in meinem Text darüber, was ich mache, wenn das Garn beim Maschinenstricken ständig reißt.

Meine Nachbarin Vreni aus dem zweiten Stock klopft manchmal an die Tür, wenn sie das Klackern von oben hört – sie hat selbst eine alte Nähmaschine und weiß genau, wann man gerade mittendrin steckt und besser nicht gestört wird. An solchen lauten Nachmittagen helfen mir ein paar Tipps um die Lautstärke der Strickmaschine in der Mietwohnung zu dämpfen, vor allem wenn Baumwolle durch die Nadeln rattert statt leise durchzulaufen.

Etwas Garnkunde: Wachs statt Öl

Wenn es beim Stricken kratzt, fällt der erste Verdacht meist auf die Maschine – vielleicht braucht sie Öl, denkt man. Bei Baumwolle liegt es fast nie an der Maschine, sondern am unbehandelten Faden. Baumwolle hat von Natur aus kein Fett wie Wolle, das den Faden geschmeidig durch die Spannscheiben gleiten lässt.

Ein Stück Paraffinwachs wird vor dem Maschinenstricken über das Baumwollgarn gezogen

Ein kleiner Block Paraffin, über den der Faden vor der Spanneinheit läuft, löst das fast vollständig. Das Kratzen verschwindet, der Schlitten gleitet spürbar leichter. Im Textilmuseum Augsburg hat mir bei einer Führung jemand erzählt, dass Weberinnen ihr Garn früher genauso gewachst haben, lange bevor es Kunstfasern gab – der Trick ist offenbar älter, als ich dachte.

Nach dem Wachsen sehe ich oft einen leichten Fettfilm auf der Plastikabdeckung der Fadenführung, kleine Abdrücke, die erst im Licht der Schreibtischlampe auffallen – ein verlässliches Zeichen, dass genug Wachs am Faden hängt. Bei der Garnstärke halte ich mich inzwischen an eine eigene Faustregel für meine Feinstrick-Brother, aber welches Garn zu welcher Maschine passt, ist ein eigenes Thema für sich.

Gleichmäßiges Maschenbild aus Baumwolle auf dem Nadelbett, mit reduzierten Krallengewichten

Was ich Anfängerinnen wie Heidi heute sage

Meine Nachbarin Heidi aus dem Erdgeschoss fragt bei jedem Besuch als Erstes, wie lange es dauert, bis man wirklich brauchbare Sachen strickt. Ich antworte inzwischen offen: Das hängt weniger von der Zeit ab als von drei, vier Irrtümern, die man sich sonst mühsam selbst erarbeitet – weniger statt mehr Gewicht bei Baumwolle, ein langsamer und gleichmäßiger Schlitten, gewachstes statt trockenes Garn. Wer diese drei Punkte von Anfang an im Kopf hat, überspringt genau die Probleme, an denen ich selbst am längsten hängengeblieben bin.