
Ein Fünfzig-Gramm-Knäuel Merino für fast zehn Euro gegen eine Kone mit zwei Kilo Industriegarn für kaum mehr Geld – beides heißt Wolle, aber nur eines davon ist für die Strickmaschine gemacht. Genau an diesem Punkt tappen die meisten Anfängerinnen beim Sparen in die gleiche Falle: Günstig kaufen heißt für viele automatisch reduzierte Handstrickwolle oder irgendein Restposten vom Trödel, Hauptsache der Preis stimmt. Stimmt nicht. Für meine alte Brother zählt nicht der Preis pro Knäuel, sondern ob das Garn überhaupt durch die Nadeln passt, und das ist bei echter Konenwolle eine ganz andere Rechnung als bei hübscher Ladenwolle.
Der Irrtum: Günstige Wolle ist nicht gleich Strickmaschinen-Wolle
Meine Maschine ist ein Feinstricker mit zweihundert Nadeln im Abstand von 4,5 Millimetern – eng genug, dass dicke Handstrickwolle sich da gar nicht erst durchquetscht. Wer wie ich vom Häkeln kommt, denkt zuerst: Die Reste vom Pulli-Häkeln oder die Wolle aus dem Ein-Euro-Laden tun's schon. Falsch gedacht. Der Schlitten blockiert, Fäden reißen, und man steht am Ende mit einem Nadelbett voller Knoten da.
Am Anfang habe ich versucht, das Problem über englischsprachige YouTube-Anleitungen zu verstehen, in der Hoffnung, dort zu lernen, welches Garn überhaupt taugt. Fast nichts davon ist hängengeblieben, zu viele Fachbegriffe auf einmal, zu schnell gesprochen, und am Ende wusste ich immer noch nicht, wonach ich beim nächsten Einkauf überhaupt suchen sollte. Geholfen hat am Ende etwas ganz anderes: verschiedenes Garn kaufen und direkt an der Maschine ausprobieren, was durchläuft und was nicht. Welche Garnstärke am Ende exakt zu welcher Maschine passt, ist übrigens ein eigenes Thema für sich – hier geht es erstmal nur darum, günstigen Nachschub zu finden und richtig einzuschätzen.

Konenwolle: Das eigentliche Schnäppchen
Konenwolle, das sind diese großen Papp- oder Plastikkegel, auf denen kilometerweise Garn aufgewickelt ist, meistens Restbestand aus der Industrie. Fabriken verarbeiten damit Stoffe in großen Mengen, und sobald von einer Farbe nur noch ein paar Kilo übrig sind, lohnt sich das für deren eigene Maschinen nicht mehr. Für uns Hobby-Strickerinnen ist genau das der Moment, an dem sich der Griff zum Schnäppchen lohnt.
Ein Begriff, auf den ich inzwischen achte, ist NM – Nummer Metrisch. Ein Klassiker für meine Maschine ist NM 28/2: zwei miteinander verzwirnte Fäden, bei denen 28.000 Meter ein Kilo wiegen. Je nachdem, wie dick das Garn am Ende sein soll, nimmt man es doppelt oder dreifach. Der Unterschied war sofort zu sehen, als zum ersten Mal ein fertiger Schal komplett vom Nadelbett rutschte – endlos lang und vollkommen gerade, ohne die Wellen und Knoten, die mir die Ladenwolle am Anfang beschert hatte.
Meine Kollegin Gabi bringt mir ab und zu Wollreste aus einem Outlet-Laden mit, und selbst die sind für die Maschine oft brauchbarer als ein Laden-Sonderposten, weil sie meistens aus industrieller Fertigung stammen statt aus der Handstrick-Ecke. Letzten Monat habe ich dazu noch zwei Kilo dunkelblaues Garn für 25 Euro bekommen – genug für drei Pullis, und pro Kilo deutlich billiger als drei Knäuel gute Handstrickwolle.
Industriegarn ist außerdem oft paraffiniert, eine dünne Wachsschicht, die den Faden bei der Fabrikverarbeitung vor dem Reißen schützt. Für uns zuhause ist das praktisch, weil der Schlitten dadurch leichter gleitet. Hakt er trotzdem, liegt das fast immer an der Fadenführung und nicht am Garn selbst. Dazu habe ich neulich extra aufgeschrieben, was man tun kann, wenn die Strickmaschine quietscht oder seltsame Geräusche macht, und das bringt oft mehr als ständig neues Garn zu kaufen.
Manchmal ist das Industriegarn für unsere Zwecke fast zu trocken statt zu gleitfreudig. Dann hilft es, den Faden einmal über ein Stück Paraffin laufen zu lassen, bevor er in die Maschine läuft. Das verhindert nebenbei auch diese nervige statische Aufladung beim Maschinenstricken, bei der einem die Haare zu Berge stehen und der Faden an allem kleben bleibt, nur nicht an der Nadel.
Wie erkenne ich brauchbares Garn vom Flohmarkt oder aus dem Keller?
Eine Anzeige bei eBay Kleinanzeigen versprach mir mal eine komplette Wollauflösung aus einem Keller ganz in der Nähe vom Stadtmarkt Augsburg: alles muss raus. Für 40 Euro habe ich dort den ganzen Kofferraum vollgepackt, in bester Vorfreude auf ein Wolle-Paradies.
Zuhause kam die Ernüchterung. In einer der Kisten hatten sich Motten eingenistet, und das Garn war an manchen Stellen so brüchig, dass es beim Anfassen schon riss. Mitten in einer Reihe, direkt über meinem alten Eichentisch aus den Siebzigern, auf dem die Maschine nur mit zwei Schraubzwingen festgeklemmt ist und nicht fest verschraubt, machte es dieses dumpfe Klack-Knirsch, und der Schlitten blieb stehen. Ein winziger, harter Knoten im alten Garn hatte sich in der Fadenführung verkeilt.
Billig ist eben nicht automatisch günstig. Altes oder schlecht gelagertes Garn verliert seine Elastizität, egal wie hübsch die Farbe noch aussieht. Die Regel, die ich seitdem bei jedem Gebrauchtkauf anwende: einmal kräftig am Faden ziehen. Gibt er sofort nach wie nasses Klopapier, bleibt die Kone liegen, egal wie günstig sie ist.

Günstig kaufen, ohne sich hinterher zu ärgern
Gesucht wird inzwischen gezielter. Statt nach "Wolle" suche ich nach "Garn auf Konen" oder "Strickmaschinen-Zubehör", weil Leute, die die Maschine einer Großmutter verkaufen, die passenden Kisten oft für einen Apfel und ein Ei dazugeben.
Adele, die hier öfter kommentiert und selbst an einer Pfaff schraubt, hat neulich gefragt, ob diese Konen-Regel überhaupt auf ihre Maschine übertragbar ist. Kurze Antwort: ja. Die Nadelabstände unterscheiden sich von Marke zu Marke, aber das Prinzip bleibt gleich – nicht der Preis pro Knäuel entscheidet, sondern ob das Garn in der passenden Stärke auf einer Kone sitzt und noch elastisch genug ist.
Diesen Monat stehen bei mir 35 Euro für drei Kilo Merinomischung in der Kasse, dazu vier Stunden, in denen ich eine Nadel ersetzen musste, weil ich dachte, ein Stück Draht ließe sich einfach mitverstricken (macht das nicht, Mädels, echt nicht). Trotzdem sieht mein Vorratsschrank mittlerweile aus wie ein kleiner Wollladen, und jeder Fehler kostet mich seelisch deutlich weniger, wenn das Material keine zehn Euro pro Knäuel gekostet hat. Wer beim Wollkauf für die Strickmaschine wirklich sparen will, schaut also nicht nach dem niedrigsten Preisschild, sondern nach Kone, Nummer und Reißtest – der Rest ergibt sich an der Maschine ganz von allein.