Altes Fett und Rost an der Strickmaschine entfernen nach Jahren im Keller

Altes Fett und Rost an einer gebrauchten Strickmaschine entfernen, Nahaufnahme des Nadelbetts vor der Reinigung

Zweihundert Nadeln hatte diese alte Brother-Strickmaschine im Nadelbett, und keine einzige ließ sich bewegen, als ich zum ersten Mal am Schlitten zog. Wer eine gebrauchte Maschine vom Flohmarkt oder direkt aus dem Keller holt, kennt dieses Bild: Das alte Fett ist über Jahrzehnte zu einer honigartigen, klebrigen Masse verharzt, und an den Nadelkanälen blitzen schon die ersten rostigen Punkte. Eine Oldtimer-Strickmaschine aus so einem Zustand zurückzuholen, ist kein Hexenwerk, aber auch kein Fünf-Minuten-Job. Genau deshalb sammle ich hier die Fragen, die mir rund um das Thema Strickmaschine reinigen am häufigsten gestellt werden. Fragen, die in keinem Grundlagenkurs zum Maschinenstricken vorkommen, aber genauso wichtig sind, bevor überhaupt die erste Reihe gestrickt wird.

So erkennst du, dass eine alte Strickmaschine eine Grundreinigung braucht

Der Geruch ist meistens das erste Warnzeichen. Wenn beim Öffnen des Gehäuses eine Mischung aus feuchtem Keller, altem Metall und ranzigem Fett entgegenschlägt, steht eine echte Grundreinigung an und keine einfache Abstaub-Aktion. Zweites Zeichen: Der Schlitten lässt sich nicht oder nur mit deutlichem Widerstand über das Nadelbett schieben, fast so, als wäre er einbetoniert. Beides zusammen bedeutet fast immer, dass die Maschine jahrelang unbenutzt stand und das alte Öl sich vollständig verharzt hat.

Ein klassischer Fehler an dieser Stelle: die Bedienungsanleitung beiseitelegen und einfach drauflosputzen, weil man denkt, Reinigen könne ja nicht kompliziert sein. Genau das habe ich gemacht und prompt zum falschen Mittel gegriffen, nur weil es gerade griffbereit stand. Wer sich vorher wenigstens die wichtigsten Seiten zum eigenen Maschinenmodell ansieht, erspart sich diesen Umweg.

Die Strickmaschine reinigen: Isopropanol ja, Nagellackentferner nein

Verharztes, honigfarbenes Fett am Schlitten einer alten Strickmaschine vor der Reinigung

Isopropanol in hoher Konzentration, zwischen 70 und 99 Prozent, löst das verharzte Fett zuverlässig, auch wenn es dafür viele Wattestäbchen braucht. Bei den rund zweihundert Nadeln einer Standard-Brother-Maschine mit einem Nadelabstand von etwa 4,5 Millimetern kommt da einiges an Fläche zusammen. Jede Schiene, jede Rille will einzeln bearbeitet werden, und das braune, klebrige Zeug sitzt hartnäckiger, als man am Anfang denkt.

Nagellackentferner ist dagegen keine Alternative, so verlockend die Idee auch klingt, wenn gerade kein Isopropanol mehr im Haus ist. Der Lack am Gehäuse wird davon sofort matt, und aus einer ordentlichen alten Brother wird optisch schnell ein geschmolzenes Plastikspielzeug. Scharfe Haushaltsreiniger und Lösungsmittel mit Aceton gehören also nicht in die Nähe des Gehäuses, egal wie hartnäckig der Fettfilm ist.

Rost an den Nadeln ist der eigentliche Endgegner.

Rostige Nadeln einer alten Strickmaschine auf einem Reinigungstuch, bereit zur Rostentfernung

Rost an den Nadelkanälen ist unangenehmer als verharztes Fett, weil er die feine Wollfaser beim Stricken aufraut und reißen lässt. Kleine orangefarbene Flecken direkt an den Nadeln bedeuten: jede einzelne Nadel raus, mit einer alten Zahnbürste bearbeiten, bis die Oberfläche wieder spiegelglatt ist. Das dauert, und der Arm meldet sich nach einer Weile deutlich.

Wer dabei über das Nadelbett gebeugt sitzt, sollte außerdem auf die eigene Haltung achten. Ich hätte früher nachlesen sollen, wie man Rückenschmerzen beim Maschinenstricken vermeiden kann, denn diese gebückte Position über blankem Metall ist auf Dauer nichts für den Rücken.

Die zu Staub zerfallene Nadelsperrschiene ist kein Beinbruch.

Die Nadelsperrschiene, also der lange Metallstab, der die Nadeln nach unten drückt, überrascht viele beim ersten Ausbau. Nach ein paar Jahrzehnten im Keller ist der Schaumstoff darin oft nicht mehr elastisch, sondern einfach zu grauem Staub zerfallen. Das sieht im ersten Moment dramatisch aus, ist aber keine teure Reparatur: neuer Schaumstoff in passender Stärke reicht meistens völlig aus.

Wärme hilft besser als literweise Lösungsmittel

Bevor man literweise Lösungsmittel auf die Maschine kippt, lohnt sich ein einfacherer Trick, den ich in einem alten Beitrag einer Facebook-Gruppe für Strickmaschinen-Fans gefunden habe: Wärme. Ein Föhn, vorsichtig und mit Abstand auf den Schlitten gerichtet, bringt das verharzte Fett zurück in einen flüssigen Zustand, ganz ohne Chemie.

Föhn wird genutzt, um altes, verhärtetes Fett an der Strickmaschine vor der Reinigung aufzuweichen

Wichtig dabei: nicht so heiß föhnen, dass der Kunststoff am Gehäuse weich wird oder sich verzieht, sondern nur so warm, dass das alte Fett wieder butterweich wird. Danach lässt sich der Schlitten oft schon ein paar Zentimeter bewegen, und das restliche Lösen mit Isopropanol geht deutlich schneller und materialschonender.

So merkst du, dass die Maschine wieder richtig läuft

Das deutlichste Zeichen ist dieses metallische „Schi-Schi"-Geräusch, wenn der Schlitten ohne Widerstand und ohne Kratzen über das Bett gleitet, und zwar erst, nachdem alles gereinigt, die Nadeln in Isopropanol gebadet und frisches Nähmaschinenöl aufgetragen wurde. Speiseöl hat an dieser Stelle übrigens nichts verloren, auch wenn der Griff zur Küche naheliegt.

Noch sicherer wird die Sache mit einer kleinen Maschenprobe: ein paar Reihen stricken, nachmessen, und wenn die Maschenzahl auf den Millimeter genau mit der eigenen Berechnung übereinstimmt, läuft die Maschine wieder so, wie sie soll. Meine Häkel-Bekannte Seraphine erklärt mir solche Spannungsfragen übrigens grundsätzlich mit Häkel-Vergleichen, aber das eigentliche Thema Fadenspannung ist noch mal eine ganz eigene Baustelle für sich. Genauso wenig geht es hier um die laufende Pflege einer Maschine, die regelmäßig in Benutzung ist. Wenn der Schlitten erst mal wieder sauber läuft, ist das noch mal ein anderes Thema.

Zeit und Kosten für so eine DIY-Rettungsaktion im Überblick

Insgesamt kommen bei dieser Art Rettungsaktion um die 42 Stunden Arbeit zusammen, dazu etwa 30 Euro für Putzmittel und eine neue Nadelsperrschiene. Wer die ursprünglichen Anschaffungskosten mitrechnet, landet bei einer gebraucht gekauften Brother für 60 Euro bei insgesamt knapp 100 Euro für eine komplett überholte, funktionierende Maschine.

Wer dafür eine neue Maschine hätte kaufen müssen, wäre deutlich tiefer in die Tasche gegriffen, auch wenn die investierte Zeit nicht ganz zu unterschätzen ist. Offen bleibt bei mir übrigens weiterhin, wie ich Bündchen stricken ohne Doppelbett an der Brother lerne. Aber die Basis stimmt jetzt. Die Maschine riecht nicht mehr nach Keller, der Schlitten läuft sauber, und sie ist bereit für die nächsten Anfängerfehler.

Steht jemand gerade selbst vor einem verrosteten Fund: Es ist Sisyphusarbeit mit dreckigen Fingernägeln, aber sobald der Schlitten zum ersten Mal widerstandslos über das Bett saust, fühlt sich das nach einem echten Erfolg an, auch mit nur einem Föhn und zwei Packungen Wattestäbchen als Werkzeug.